Nahrungsergänzungsmittel für Hunde und Pferde: Warum mehr nicht immer besser ist
Nahrungsergänzungsmittel, oder genauer gesagt Ergänzungsfuttermittel, für Hunde und Pferde sind in den letzten Jahren zu einem festen Bestandteil vieler Fütterungskonzepte geworden.
Im Alltag hat sich der Begriff Nahrungsergänzungsmittel bei vielen Tierhaltern eingebürgert, den ich im weiteren Verlauf des Artikels der besseren Lesbarkeit halber verwende.
Der Markt wächst stetig: Mineralstoffe, Kräutermischungen, Öle, Darmpräparate oder spezielle Ergänzungen für Gelenke, Fell, Immunsystem oder Atemwege. Für nahezu jedes gesundheitliche Thema gibt es inzwischen mehrere entsprechende Produkte.
Gleichzeitig höre ich von vielen meiner Patientenbesitzer, dass sie dabei längst den Überblick verloren haben. Irgendwann steht eine ganze Reihe von Dosen, Tiegeln oder Beuteln im Futterschrank – und man fragt sich: Was davon braucht mein Tier eigentlich wirklich noch?
Die Versprechen sind dabei oft ähnlich. Mehr Vitalität, ein stabiles Immunsystem, eine bessere Verdauung oder Unterstützung für einzelne Organsysteme. Für Tierhalter kann schnell der Eindruck entstehen, dass zusätzliche Produkte automatisch einen gesundheitlichen Vorteil bringen.
Hinzu kommt, dass Empfehlungen aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen: aus Trainingsgruppen, aus Gesprächen im Stall, aus sozialen Medien oder aus gut gemeinten Tipps anderer Tierhalter. Viele dieser Hinweise entstehen aus echter Fürsorge für das eigene Tier.
In meiner Praxis, in der ich mich intensiv mit Ernährung, Naturheilkunde und Ayurveda für Tiere beschäftige, sehe ich deshalb immer wieder Fütterungen, in denen mehrere Ergänzungsprodukte parallel eingesetzt werden. Kräuter, Mineralstoffe, Vitamine oder spezielle Präparate werden kombiniert, ohne dass die gesamte Nährstoffversorgung dann noch einmal als Ganzes betrachtet wird.
Genau hier kann jedoch etwas entstehen, das leicht übersehen wird: Auch Nahrungsergänzungsmittel können Nährstoffe liefern. Wenn mehrere solcher Produkte gleichzeitig eingesetzt werden, können sich einzelne Vitamine oder Mineralstoffe deutlich über den eigentlichen Bedarf hinaus summieren. Manchmal werden auch einzelne Nährstoffe, wie Zink, Selen, Eisen oder Magnesium zusätzlich empfohlen – in Mengen, die weit über das Ziel hinausschießen oder schlichtweg falsch sind. Ein Beispiel dafür findest du weiter unten im Artikel.
In diesem Beitrag schauen wir uns deshalb an, wann Nahrungsergänzungsmittel für Hunde und Pferde sinnvoll sein können, welche Rolle ernährungsphysiologische Zusatzstoffe spielen und warum ein Blick auf die gesamte Ration so wichtig ist.
Inhaltsverzeichnis:
Wann Nahrungsergänzungsmittel für Hunde und Pferde sinnvoll sein könnenErnährungsphysiologische Zusatzstoffe – das oft übersehene DetailDie Gesamtration des Tieres ist entscheidendÜberversorgung – wenn der Körper mehr bekommt als er brauchtEin Bespiel aus der PraxisKlarheit statt Vermutung
Warum „natürlich“ nicht automatisch unproblematisch istDie ayurvedische Perspektive: Ernährung ist mehr als NährstoffberechnungFazit: weniger Ergänzungen, mehr Überblick
Wann Nahrungsergänzungsmittel für Hunde und Pferde sinnvoll sein können
Nahrungsergänzungsmittel haben durchaus ihre Berechtigung. In bestimmten Situationen können sie eine sinnvolle Unterstützung sein und helfen, die Versorgung eines Tieres gezielt zu ergänzen.
Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn ein nachgewiesener Nährstoffmangel vorliegt oder wenn ein Tier besonderen Anforderungen ausgesetzt ist. Dazu gehören etwa Wachstumsphasen bei jungen Hunden, ältere Tiere mit verändertem Stoffwechsel, Sport oder Phasen der Rekonvaleszenz nach Erkrankungen.
Auch bei bestimmten gesundheitlichen Problemen, wie chronischen Verdauungsbeschwerden oder Hautproblemen, können einzelne Ergänzungen unterstützend eingesetzt werden. In solchen Situationen kann es sinnvoll sein, gezielt mit Mineralstoffen, Spurenelementen, Kräutern oder anderen pflanzlichen Zubereitungen zu arbeiten.
Entscheidend ist dabei jedoch immer die Frage, ob ein tatsächlicher Bedarf besteht und wie die gesamte Fütterung des Tieres aussieht.
Ergänzungsfuttermittel sollen die Fütterung sinnvoll abrunden. Sie ersetzen weder eine ausgewogene Grundration noch lösen sie alle Gesundheitsfragen automatisch.
In meiner Arbeit schaue ich deshalb immer zuerst auf die Basis der Fütterung. Erst wenn klar ist, welche Nährstoffe über das Grundfutter bereits aufgenommen werden, lässt sich beurteilen, ob eine Ergänzung wirklich sinnvoll ist und in welcher Menge sie eingesetzt werden sollte.
So kann ein einzelnes, gezielt ausgewähltes Ergänzungsmittel durchaus hilfreich sein. Mehrere Produkte gleichzeitig zu kombinieren, ohne die Gesamtversorgung im Blick zu haben, kann dagegen schnell zu einer Situation führen, in der sich einzelne Nährstoffe unbemerkt summieren.
An dieser Stelle spielt ein Detail eine wichtige Rolle, das im Alltag leicht übersehen werden kann:
Die sogenanntenernährungsphysiologischen Zusatzstoffe.
Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe – das oft übersehene Detail
Wenn auf Futtermitteln von ernährungsphysiologischen Zusatzstoffen gesprochen wird, sind damit bestimmte Nährstoffe gemeint, die gezielt zugesetzt werden. Dazu gehören Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine.
Mineralstoffe sind zum Beispiel Calcium, Phosphor oder Magnesium. Sie werden in vergleichsweise größeren Mengen benötigt und spielen unter anderem eine Rolle für Knochen, Nerven und Muskulatur.
Spurenelemente kommen dagegen nur in sehr kleinen Mengen im Körper vor. Dazu gehören beispielsweise Eisen, Zink, Kupfer, Jod oder Selen. Trotz der geringen Mengen sind sie für viele Stoffwechselprozesse wichtig.
Auch Vitamine können zu den ernährungsphysiologischen Zusatzstoffen gehören. Dabei unterscheidet man zwischen wasserlöslichen und fettlöslichen Vitaminen. Zu den fettlöslichen Vitaminen zählen Vitamin A, D, E und Vitamin K. Sie können im Körper gespeichert werden und werden deshalb in der Regel vorsichtiger dosiert.
Zu den wasserlöslichen Vitaminen gehören Vitamin C und die B-Vitamine. Überschüssige Mengen können in der Regel über die Nieren ausgeschieden werden. Eine kleine Besonderheit ist jedoch Vitamin B12: Obwohl es zu den wasserlöslichen Vitaminen gehört, kann es ebenfalls im Körper gespeichert werden, vor allem in der Leber.
Viele Tierhalter verbinden solche Nährstoffe, gerade im Pferdebereich, vor allem mit Mineralfutter, also dem täglichen Messlöffel Pulver über dem Futter oder im Mash.
Tatsächlich können sie jedoch auch in anderen Produkten enthalten sein. Dazu gehören zum Beispiel Ergänzungsfuttermittel, die für bestimmte Themen entwickelt wurden, etwa für Atemwege, Verdauung, Haut oder Gelenke.
Solche Produkte enthalten häufig pflanzliche Bestandteile wie Kräuter oder Pflanzenextrakte – leider nicht selten auch in recht „kreativen“ Mischungen 😉. Zusätzlich werden ihnen jedoch häufig Mineralstoffe, Spurenelemente oder Vitamine zugesetzt. Diese Angaben finden sich dann im Bereich der ernährungsphysiologischen Zusatzstoffe auf dem Etikett.
Gerade dann, wenn mehrere Ergänzungsprodukte gleichzeitig eingesetzt werden, kann es deshalb sinnvoll sein, einen kurzen Blick auf diese Deklaration zu werfen. Oft entdeckt man dort Nährstoffe, die man in diesem Produkt gar nicht erwartet hätte.
Die Grundfütterung bildet die Basis jeder Ration.
Die Gesamtration des Tieres ist entscheidend
Wenn ich in meiner Praxis eine Fütterung anschaue, beginne ich nicht mit einem einzelnen Ergänzungsmittel. Zuerst interessiert mich, was insgesamt im Napf oder in der Krippe landet.
Dazu gehören das Grundfutter, mögliche Ergänzungsfuttermittel, Mineralfutter, Öle, Kräuter, Mash oder auch kleine Dinge wie Leckerlis. Erst wenn alle Bestandteile zusammengetragen sind, lässt sich wirklich beurteilen, welche Nährstoffe ein Tier tatsächlich aufnimmt.
Viele Tierhalter sind überrascht, wie viele unterschiedliche Komponenten im Laufe der Zeit zusammenkommen. Ein Mineralfutter hier, ein Kräuterprodukt dort, vielleicht noch ein Präparat für Verdauung, Fell oder Atemwege. Jedes einzelne Produkt wirkt für sich betrachtet plausibel.
Schaut man sich jedoch dann die gesamte Ration an, zeigt sich dann ein anderes Bild. Einige Nährstoffe sind bereits über das Grundfutter ausreichend vorhanden, andere werden durch mehrere Produkte gleichzeitig geliefert.
Genau deshalb ist der Blick auf das gesamte Fütterungskonzept so wichtig. Erst wenn alle Bausteine berücksichtigt werden, lässt sich erkennen, ob eine Ergänzung wirklich gebraucht wird, oder ob sie überflüssig ist.
In vielen Fällen zeigt sich dabei etwas sehr Beruhigendes für Tierhalter: Oft braucht es gar nicht viele verschiedene Produkte. Eine gut abgestimmte Grundration und wenige gezielt ausgewählte Ergänzungen reichen meist völlig aus.
Überversorgung – wenn der Körper mehr bekommt als er braucht
Hinter der Gabe vieler verschiedener Zusätze steht oft der Gedanke:
„Was zu viel ist, wird schon wieder ausgeschieden.“ Ganz so einfach ist es leider in der Praxis nicht.
Denn bei einigen Nährstoffen kann der Körper überschüssige Mengen nicht einfach wieder loswerden.
Ein Beispiel dafür ist das Spurenelement Selen. Der Körper braucht es für Immunsystem und Muskulatur. Gleichzeitig ist der Spielraum zwischen ausreichender Versorgung und zu hoher Zufuhr vergleichsweise klein.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die Anzeichen einer solchen Belastung sind oft unspezifisch. Schlappheit, Hautprobleme oder ein stumpfes Fell lassen sich nicht eindeutig zuordnen. In der Praxis werden solche Symptome deshalb häufig als möglicher Mangel interpretiert.
Die Folge: Es wird ein weiteres Ergänzungsmittel ergänzt – und damit manchmal genau der Kreislauf verstärkt, der das Problem ursprünglich ausgelöst hat.
Ein Bespiel aus der Praxis:
Vor einiger Zeit schrieb mir eine sehr verantwortungsvolle Kundin eine E-Mail. Sie hatte an einem Webinar teilgenommen, in dem empfohlen wurde, Hündinnen während der Läufigkeit, oder nach einer Kastration zu dem Zeitpunkt, an dem normalerweise die Läufigkeit einsetzen würde, Eisen und Magnesium zu supplementieren. Als Dosierung wurde etwa die Hälfte einer menschlichen Tagesdosis mit einem Humanpräparat genannt.
Bei Magnesium wäre das in vielen Fällen vermutlich noch vergleichsweise unproblematisch gewesen. Zu hohe Mengen führen bei Hunden meist „nur“ zu Durchfall und werden in der Regel wieder ausgeschieden, solange keine schweren Vorerkrankungen vorliegen. Hinweise aus der Fachliteratur gibt es eher dafür, Magnesium bei starkem Stress oder hoher körperlicher Belastung einzusetzen – nicht speziell im Zusammenhang mit Läufigkeit oder Kastration.
Beim Eisen sieht die Situation jedoch ganz anders aus. Ein relevanter Eisenmangel entsteht bei Hunden typischerweise durch chronische Blutverluste oder andere schwerwiegende Erkrankungen. Eine normale Läufigkeit führt in der Regel nicht zu einem Blutverlust, der den Eisenstatus gesunder Tiere gefährdet. Bei kastrierten Hündinnen entfällt dieser Blutverlust vollständig, sodass eine „zyklusorientierte“ Eisengabe noch weniger nachvollziehbar ist.
Ich habe aus Interesse einmal nachgerechnet und die empfohlene Menge in die bestehende Ration der Hündin eingetragen. Das Ergebnis war eindeutig: Wir wären bei einer Überversorgung von rund 400 % des tatsächlichen Bedarfs gelandet.
Eisen ist jedoch kein Spurenelement, das man „auf Verdacht“ geben sollte. Eine dauerhafte Überversorgung kann den Magen-Darm-Trakt reizen, die Aufnahme anderer Mineralstoffe stören und im Extremfall zu einer Eisenüberladung beitragen.
Hinzu kam, dass es sich um ein Präparat für Menschen handelte. Auch hier ist Vorsicht geboten: Viele Humanprodukte enthalten zusätzliche Inhaltsstoffe, die für Hunde nicht geeignet sind – etwa Süßstoffe wie Xylit, bestimmte Aromastoffe oder andere Zusatzstoffe. Außerdem ist „die Hälfte der Menschen-Dosis“ kein sinnvolles Dosierkonzept für Tiere, weil sich Bedarf und Verträglichkeit zwischen den Arten deutlich unterscheiden.
Genau solche Situationen zeigen, wie schnell gut gemeinte Empfehlungen weit über das Ziel hinausschießen können. Ohne Blutbild und ohne konkrete Hinweise auf einen Mangel sind derartige Mineralstoffgaben nicht nur überflüssig, sondern im ungünstigsten Fall sogar riskant.
Klarheit statt Vermutung
Um solche Situationen zu vermeiden, hilft ein Schritt zurück: Statt das nächste Mittel „auf Verdacht“ zu geben, lohnt sich ein strukturierter Blick auf die Fütterung.
Zwei Dinge können dabei besonders hilfreich sein:
Eine Rationsüberprüfung
Dabei wird geschaut, welche Nährstoffe das Pferd oder der Hund über alle Bestandteile der Fütterung tatsächlich aufnimmt – also über Grundfutter und sämtliche Zusätze. So lässt sich erkennen, wo wirklich etwas fehlt und wo sich einzelne Stoffe unbemerkt aufsummieren. Das Ziel ist nicht, jede Fütterung zwanghaft „auszudünnen“, sondern sie stimmig zu machen: Bei gesunden Tieren bedeutet das oft weniger verschiedene Produkte und eine klarere Struktur. Bei chronisch kranken oder komplexen Fällen kann es dagegen sinnvoll sein, bestimmte Zusätze bewusst beizubehalten, dies jedoch gut begründet und aufeinander abgestimmt.
Ein Blutbild beim Tierarzt
Eine gezielte Blutuntersuchung kann ergänzend Hinweise darauf geben, wie die aktuelle Versorgung im Körper aussieht.
Erst wenn klar ist, ob tatsächlich ein Mangel besteht oder ob der Körper bereits mit bestimmten Stoffen überversorgt ist, lassen sich Ergänzungen sinnvoll und sicher einsetzen.
Warum „natürlich“ nicht automatisch unproblematisch ist
Viele Ergänzungsfuttermittel werden mit dem Hinweis beworben, sie seien „natürlich“. Für viele Tierhalter klingt das zunächst beruhigend. Kräuter, Pflanzenextrakte oder Algen wirken auf den ersten Blick harmloser als synthetische Stoffe.
Dabei wird leicht übersehen, dass auch Pflanzen sehr wirksame Inhaltsstoffe enthalten. In der Naturheilkunde werden sie genau deshalb gezielt eingesetzt.
Gerade bei Kräutermischungen lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die Zusammensetzung. Viele Produkte enthalten nicht nur eine oder zwei Pflanzen, sondern ganze Kombinationen aus unterschiedlichen Kräutern. Das kann in vielen Fällen durchaus sinnvoll sein, weil sich die Inhaltsstoffe ergänzen. Manchmal findet man dabei jedoch auch – ich nenne sie gern „kreative“ Mischungen – mit sehr unterschiedlichen Wirkansätzen in einem Produkt.
Ein Beispiel sehe ich manchmal bei Präparaten für die Atemwege. Dort werden gleichzeitig Kräuter eingesetzt, die Schleim lösen sollen, zusammen mit Pflanzen, die den Hustenreiz eher dämpfen. Beides kann sinnvoll sein – aber nicht unbedingt gleichzeitig 😉.
Ähnliches sehe ich auch bei manchen Grundfuttermitteln. Dort werden Kräuter für Leber, Nieren und Gelenke gleichzeitig untergemischt. Für mich entsteht dann manchmal der Eindruck, dass einfach möglichst viele Pflanzen kombiniert wurden – in der Hoffnung, dass schon irgendetwas davon wirken wird. Für den Organismus bedeutet das jedoch eine Vielzahl unterschiedlicher Signale gleichzeitig.
Ein weiterer Punkt betrifft den Jodgehalt mancher Naturprodukte. In einigen Ergänzungen – etwa in Zahnpflegeprodukten – wird Seealge eingesetzt. Diese kann natürlicherweise größere Mengen Jod enthalten.
Da die Jodversorgung vieler Tiere bereits über das Grundfutter gedeckt ist, lohnt sich hier ein kurzer Blick auf die Gesamtfütterung. Solche Produkte sind nicht grundsätzlich problematisch – sie sollten lediglich in die tägliche Jodaufnahme mit eingerechnet werden.
In meiner Arbeit setze ich Pflanzen deshalb möglichst gezielt ein – entweder einzeln oder in stimmigen Kombinationen. Wichtig ist dabei, dem Organismus nicht zu viele unterschiedliche Impulse auf einmal zu geben und ihm genügend Zeit zur Regulation zu lassen.
Die ayurvedische Perspektive: Ernährung ist mehr als Nährstoffberechnung
Aus ayurvedischer Sicht geht es bei Hunden und Pferden nicht nur um die reine Nährstoffbilanz, sondern auch darum, wie gut ein Tier seine Nahrung tatsächlich verwerten kann. Eine zentrale Rolle spielt dabei Agni, das Verdauungsfeuer. Es beschreibt die Fähigkeit des Organismus, Nahrung aufzuschließen, Nährstoffe aufzunehmen und sie in Energie umzuwandeln.
Ist Agni stabil, kann eine typgerechte Grundfütterung viele Bedürfnisse bereits gut abdecken. Der Körper nutzt die vorhandenen Nährstoffe effizient und versorgt die Gewebe ausreichend.
In besonderen Situationen, etwa bei Stress, chronischen Erkrankungen oder erhöhter körperlicher Belastung, kann eine gezielte Ergänzung sinnvoll sein. In meiner Praxis arbeite ich dann häufig mit ausgewählten Kombinationen aus ayurvedischen Kräutern und Gewürzen, die zur individuellen Konstitution des Tieres passen. Dabei verbinde ich die ayurvedische Betrachtungsweise immer mit moderner Nährstoffversorgung und orthomolekularen Ansätzen.
Gleichzeitig zeigt sich auch aus ayurvedischer Sicht: Eine Überfülle an Zusätzen kann das Verdauungssystem belasten und die Verarbeitung der Nahrung erschweren.
Im Ayurveda wird in diesem Zusammenhang von Ama gesprochen – Stoffwechselrückständen, die entstehen können, wenn Nahrung oder Substanzen nicht vollständig verarbeitet werden.
Mein Ansatz ist deshalb: eine gut verträgliche, typgerechte Basisfütterung und gezielte Ergänzungen, die zueinander passen. So kann der Organismus die Nährstoffe besser nutzen und langfristig Stabilität entwickeln.
Fazit: Weniger Ergänzungen, mehr Überblick
Nahrungsergänzungsmittel können in der Tierernährung durchaus sinnvoll sein. In bestimmten Situationen, etwa bei Erkrankungen, erhöhtem Bedarf oder nachgewiesenen Mängeln, können gezielte Ergänzungen den Organismus unterstützen.
Problematisch wird es meist nicht durch ein einzelnes Produkt, sondern durch die Kombination vieler verschiedener Präparate. Wenn Kräuter, Mineralstoffe, Vitamine und andere Ergänzungen parallel eingesetzt werden, verliert man schnell den Überblick über die tatsächliche Nährstoffversorgung.
Gerade gut gemeinte Tipps aus Trainingsgruppen, Stallgesprächen oder dem Internet führen oft dazu, dass immer neue Produkte hinzukommen – ohne jedoch die Fütterung nochmal ganzheitlich zu prüfen.
In vielen Fällen hilft dann ein Schritt zurück: Eine klare Grundration, wenige passende Ergänzungen und ein Blick aufs Ganze bringen oft mehr Stabilität als weitere Zusätze.
Denn am Ende gilt auch in der Tierernährung ein einfacher Grundsatz: Nicht die Menge der Ergänzungen entscheidet über die Qualität einer Fütterung, sondern ihre Stimmigkeit.
Wenn du dir bei der Fütterung deines Hundes oder Pferdes unsicher bist und dir eine individuelle Einordnung wünschst, findest du hier Informationen zu meiner ayurvedischen Konstitutions- und Gesundheitsanalyse. Auf dieser Basis lässt sich bei Bedarf auch eine Rationsüberprüfung ergänzen, um die aktuelle Nährstoffversorgung genauer zu betrachten.
FAQ: Häufige Fragen zu Nahrungsergänzungsmitteln bei Hunden und Pferden
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Bei einer ausgewogenen und gut abgestimmten Grundration (hier gehört beim Pferd das Mineralfutter dazu) sind zusätzliche Ergänzungen oft gar nicht notwendig. In bestimmten Situationen können sie jedoch sinnvoll sein – zum Beispiel bei nachgewiesenen Nährstoffmängeln, während besonderer Belastungsphasen oder in Lebensabschnitten wie Wachstum oder Rekonvaleszenz.
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Symptome wie stumpfes Fell, Schlappheit oder Verdauungsprobleme können auf Mängel hindeuten – aber auch auf Überversorgung. Ein Blutbild beim Tierarzt oder eine Rationsüberprüfung gibt Klarheit.
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Davon ist meist abzuraten. Humanpräparate sind häufig deutlich höher dosiert und können zusätzliche Inhaltsstoffe enthalten, die für Tiere ungeeignet sein können – zum Beispiel bestimmte Süßstoffe wie Xylit oder Aromastoffe. Außerdem unterscheiden sich Bedarf und Stoffwechsel zwischen Mensch und Tier.
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Hier lohnt sich ein genauer Blick. Viele Produkte enthalten ähnliche Mineralstoffe, Spurenelemente oder Vitamine. Wenn mehrere Ergänzungen gleichzeitig gefüttert werden, können sich diese Stoffe unbemerkt addieren. Deshalb ist es sinnvoll, immer die gesamte Fütterung im Blick zu behalten.
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Bestimmte Nährstoffe – vor allem fettlösliche Vitamine (A, D, E und K) sowie einige Spurenelemente – können sich im Körper anreichern, wenn sie über längere Zeit deutlich über den Bedarf hinaus aufgenommen werden. Deshalb ist ein gezielter und gut abgestimmter Einsatz von Ergänzungen wichtig.
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Nicht unbedingt. Auch Kräuter, Pflanzenextrakte oder Algen enthalten wirksame Inhaltsstoffe. Manche Naturprodukte können zudem relevante Mengen an Mineralstoffen oder Spurenelementen liefern – zum Beispiel Jod aus Seealgen. Deshalb lohnt sich auch hier ein Blick auf die Zusammensetzung und die gesamte Fütterung.
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Eine Rationsüberprüfung kann hilfreich sein, wenn mehrere Ergänzungsprodukte gleichzeitig gefüttert werden oder wenn Unsicherheit über die tatsächliche Nährstoffversorgung besteht. Sie hilft dabei, die gesamte Fütterung einmal im Zusammenhang zu betrachten.
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Viele Tierhalter möchten ihr Tier bestmöglich unterstützen und greifen deshalb vorsorglich zu Ergänzungen. In den meisten Fällen ist das jedoch nicht notwendig, wenn die Grundfütterung bereits ausgewogen ist. Sinnvoller ist es, zuerst zu prüfen, ob tatsächlich ein Bedarf besteht, bevor weitere Produkte ergänzt werden.
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Ein hilfreicher erster Schritt ist ein Blick auf die Deklaration. Gute Produkte geben klar an, welche Inhaltsstoffe enthalten sind und in welchen Mengen.
Außerdem lohnt sich ein Blick auf die Zusammensetzung: Hochwertige Ergänzungen kommen oft mit wenigen Zusatz- und Hilfsstoffen aus. Manche Produkte enthalten dagegen eine lange Liste an Trägerstoffen, Süßungsmitteln oder technologischen Zusätzen, die vor allem der Verarbeitung, Haltbarkeit oder dem Geschmack dienen – zum Beispiel Zucker, Melasse, Sorbit, Maltodextrin oder verschiedene Stärken.
Solche Bestandteile sind nicht automatisch problematisch, zeigen aber, dass ein Produkt nicht nur aus den eigentlichen Wirkstoffen besteht. Ein möglichst klar aufgebautes Produkt mit wenigen Zusatzstoffen macht es oft leichter, die Fütterung insgesamt im Überblick zu behalten.
Gleichzeitig bleibt immer die wichtigste Frage: Passt dieses Produkt überhaupt zur aktuellen Situation meines Tieres – und ist der enthaltene Nährstoff nicht vielleicht bereits über andere Futtermittel abgedeckt?
Wenn du dir hier eine individuelle Einordnung wünschst, findest du Informationen zu meiner ayurvedischen Konstitutions- und Gesundheitsanalyse auf meiner Website.
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Quellenangaben:
Meyer H, Zentek J: Ernährung des Hundes – Standardwerk Tierernährung (Kap. Mineralstoffe/Spurenelemente)Eisen - und Eisenverbindungen Toxizität Kleintier: https://www.vetpharm.uzh.ch/clinitox/toxdb/klt_038.htmEisenmangel Ursachen: https://www.drhoelter.de/tierarzt/glossar/ernaehrungsglossar/eisen.htmlDr. Christina Fritz: Pferde fit füttern - wie ich mein Pferd artgerecht ernähre - Cadmos VerlagPferdefütterung: Manfred Coenen / Ingrid Vervuert - Begründet von Helmut Meyer - Thieme Verlag (Kap. Spurenelemente - Selen)