Chronische Erkrankungen bei Hund & Pferd verstehen
Der ayurvedische Weg zurück ins Gleichgewicht
„Krankheiten fallen nicht vom Himmel.“
So treffend und leicht provokativ formulierte es einmal Frau Dr. Ziegler in einem Seminar zur ganzheitlichen Behandlung chronischer Erkrankungen bei Hunden.
Genau so erlebe ich es in meiner Praxis. Selten kommen Besitzer mit nur einem einzelnen Symptom zu mir. Meist bringen sie gleich ein ganzes Bündel an Beschwerden ihres Hundes oder Pferdes mit und mit ihm eine lange Leidens- und Therapiegeschichte.
Dann gilt es, dieses “Knäuel” aus Informationen zu entwirren. Wo war der Anfang? Was kam im Laufe der Zeit dazu? Und wie ist das entstanden, was wir heute sehen?
Denn das, was sich jetzt zeigt, ist oft nur die Spitze des Eisbergs. Darunter liegen Prozesse, die sich über Jahre entwickelt haben. Belastungen, die vielleicht harmlos begonnen haben und sich Schritt für Schritt aufgebaut haben, bis das System irgendwann kippt und immer neue Beschwerden hinzukommen.
In diesem Blogartikel betrachte ich sowohl die westliche als auch die ayurvedische Sicht auf die Entstehung chronischer Erkrankungen bei Hunden und Pferden.
Denn chronische Erkrankungen entstehen selten plötzlich – sie entwickeln sich schleichend über Monate oder Jahre, oft lange bevor deutliche Symptome sichtbar werden.
Für mich beginnt jede Begleitung daher mit dem Verständnis dieser Vorgeschichte. Erst wenn wir erkennen, wo der Prozess begonnen hat, können wir gezielt und sinnvoll weitergehen.
Inhaltsverzeichnis:
Wie chronische Erkrankungen bei Hunden und Pferden entstehenWie Ayurveda die Entstehung chronischer Erkrankungen verstehtDas gesunde TierDas kranke Tier
Die drei Phasen der Krankheitsentstehung (Samprapti)1. Die Phase der Ansammlung2. Die Phase der Dosha Aggravation, der Verbreitung und Agni Schwäche3. Die Phase der Manifestation
Der Weg zurück ins GleichgewichtDie Erstkonsultation als Schlüssel
Wie chronische Erkrankungen bei Hunden und Pferden entstehen
Chronische Erkrankungen entstehen selten durch ein einzelnes Ereignis. In den meisten Fällen wirken viele verschiedene Faktoren zusammen und das oft über einen sehr langen Zeitraum.
In meiner Praxis erlebe ich das immer wieder: Da wird mir ein Hund vorgestellt, vielleicht fünf oder sechs Jahre alt, mit chronisch wiederkehrenden Verdauungsproblemen. Mal ist der Kot zu weich, mal kommt Durchfall hinzu, und oft steht bereits der Verdacht einer Futtermittelunverträglichkeit im Raum. Diese Beschwerden begleiten das Tier meist schon eine gefühlte Ewigkeit, ohne dass jemals wirklich Stabilität eingekehrt wäre. An diesem Punkt wird der Wunsch, die Verdauungsprobleme endlich auf natürliche Weise zu behandeln, für die Besitzer meist immer drängender.
Die Erstkonsultation offenbart dann oft eine vielschichtige Historie. Ein klassisches Beispiel sind Giardien-Infektionen im Welpenalter und die darauf folgenden, meist intensiven Behandlungen. Die Verdauung blieb seither eine Schwachstelle und reagiert heute auf kleinste Reize hochsensibel. Meist schließt sich eine wahre Odyssee an Futterumstellungen an, immer getragen von der Hoffnung, das gesamte System endlich nachhaltig zu stabilisieren.
Jahre später zeigt sich dann ein komplexeres Bild: Die Verdauung ist weiterhin instabil, doch nun kommen zeitweise Magenprobleme oder Hautthemen hinzu. Der Hund reagiert schneller auf Stress, wirkt insgesamt empfindlicher, und es entsteht der Eindruck, dass kaum noch ein Futtermittel wirklich gut vertragen wird.
Solche Verläufe sehen natürlich nicht immer gleich aus. Und es müssen auch nicht immer Darmthemen sein, auch wenn diese in meiner Praxis den größten Teil ausmachen 😉. Manchmal beginnt es mit wiederkehrenden Ohrenentzündungen, Fellveränderungen oder hartnäckigen Atemwegsinfekten. In anderen Fällen spielen hormonelle Dysbalancen, Umweltbelastungen oder eine dauerhaft angespannte Lebenssituation die Hauptrolle.
Was all diese Geschichten jedoch gemeinsam haben: Der Organismus versucht sehr lange, mit den Belastungen umzugehen. Er kompensiert, was zu kompensieren geht – und oft gelingt ihm das über Jahre erstaunlich gut.
Erst wenn diese Ausgleichsmöglichkeiten erschöpft sind, werden die Symptome für uns deutlich sichtbar. Dann entsteht oft der Eindruck, die Erkrankung sei plötzlich „aus dem Nichts“ entstanden. In Wahrheit hat sie sich jedoch schrittweise, weit unter der Oberfläche, entwickelt.
Und genau hier setzt der Ayurveda für Tiere an. Er betrachtet Krankheit nicht als abruptes Ereignis, sondern als einen Prozess, der sich in aufeinanderfolgenden Phasen entfaltet.
Wie Ayurveda die Entstehung chronischer Krankheit versteht
Das gesunde Tier
Bevor wir uns die Entstehung von Krankheit aus ayurvedischer Sicht anschauen, möchte ich kurz auf den Begriff Gesundheit eingehen.
Ist Gesundheit nur die Abwesenheit von Krankheitssymptomen? Oder steckt vielleicht mehr dahinter?
Im Ayurveda steht die Gesundheit des Lebewesens im Zentrum. Gesundheit bedeutet dort nicht nur, dass keine Symptome sichtbar sind. Sie besteht dann, wenn Körper, Geist und Seele im Einklang und in Wohlbefinden sind.
Der Ayurveda unterscheidet dabei verschiedene Ebenen: die körperliche Ebene, die Sinnesebene, die mentale Ebene und die spirituelle Ebene. Diese Bereiche wirken nicht getrennt voneinander, sondern stehen miteinander in Beziehung. Und in jedem dieser Bereiche sollte ein Tier sich wohlfühlen.
Für unsere Hunde und Pferde heißt das: Sie können gemäß ihrer Konstitution leben und sich wohlfühlen. Sie erhalten Futtermittel, die zu ihrer Verdauungskraft passen, individuell ausgewählte Zusätze oder Kräuter und eine Tagesroutine, die ihrem Wesen entspricht. Unter solchen Bedingungen können die inneren Kräfte, sprich die Konstitution, in Harmonie bleiben.
Das kranke Tier
Krankheit ist nach Auffassung des Ayurveda Ausdruck eines inneren Ungleichgewichts der Doshas und einer eingeschränkten Funktion von Agni, dem sogenannten Verdauungsfeuer. Diese Veränderungen wirken sich auf die Gewebe (Dhatus), die Transportkanäle (Srotas) und die Ausscheidungsprozesse (Malas) aus. Die einzelnen Bereiche stehen in Beziehung zueinander und beeinflussen sich gegenseitig.
Vieles von dem, was wir in der ayurvedischen Begleitung ausgleichen, ist für Tierbesitzer noch gar nicht sichtbar.
Im Ayurveda wird Krankheit ursachenbezogen betrachtet und nicht allein als Diagnose oder Symptom. Es geht darum, die Selbstregulation so zu unterstützen, dass der Organismus wieder in einen stabileren Zustand findet. Nicht das einzelne Symptom steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, warum es entstanden ist.
In meiner Praxis verbinde ich diese Sichtweise, wenn notwendig mit der westlichen Medizin. Gerade bei chronischen Erkrankungen ist eine schulmedizinische Begleitung oft wichtig und sinnvoll. Parallel dazu arbeite ich daran, die zugrunde liegenden Prozesse zu stabilisieren und die aktuelle Symptomatik zu entlasten. Und das geht mit dem Ayurveda wunderbar.
Die Entstehung von Krankheit wird im Ayurveda als Prozess verstanden, der als Samprapti bezeichnet wird. Er beschreibt die Entwicklung einer Erkrankung von ihren ersten Veränderungen bis hin zu ihrer Chronifizierung. Aus westlicher Sicht würden wir ihn Pathogenese nennen.
Der Ayurveda unterscheidet zwei Arten von Störungen:
Temporäre Störungen: bei diesen Störungen genügt es, den Auslöser oder die Ursache zu meinen, da die Gewebe (Dhatus) und die Transportkanäle (Srotas) noch nicht geschädigt wurden. In diesen Fällen normalisieren sich leichte Beeinträchtigungen von allein wieder.
Vollständig entfaltete Erkrankungen: diese Störungen sind durch eine bloße Vermeidung der Ursache nicht mehr “heilbar”, da es in diesem Stadium bereits zu Schäden in den Geweben und Transportkanälen gekommen ist.
Die 3 Phasen der Krankheitsentstehung (Samprapti)
Um diesen Prozess für die Praxis greifbar zu machen, unterteilen wir die Krankheitsentstehung im Ayurveda oft in drei prägnante Phasen. In den alten Schriften werden diese zwar noch feiner in sechs Stadien unterteilt (Shat Kriya Kala), doch für uns Tierhalter sind diese drei Schritte am wichtigsten, um rechtzeitig zu reagieren:
1. Die Phase der Ansammlung (Kontakt mit der Krankheitsursache)
In dieser ersten Phase beginnt der Prozess oft völlig unbemerkt. Durch den Kontakt mit einer Krankheitsursache sammelt sich ein Dosha (oder auch mehrere) an seinem jeweiligen Ursprungsort im Körper an:
Typische Auslöser können ganz alltäglich sein: Fütterungsfehler, wie ein Futter, das energetisch nicht zur Konstitution passt (zum Beispiel trockenes Futter für ein ohnehin „trockenes“ Vata-Tier), anhaltender Stress, Unruhe im Stall oder in der Herde, unpassendes Training, Infektionen oder auch notwendige Medikamentengaben, die das System belasten.
In diesem frühen Stadium zeigt dein Tier meist noch keine deutlichen Symptome. Oft ist es bei dir als Besitzer:in einfach nur ein unbestimmtes Gefühl, dass „irgendetwas nicht stimmt“. Wenn mir ein Besitzer oder eine Besitzerin in der Praxis davon berichtet, nehme ich das immer sehr ernst, denn diese Situation wirkt sich zunehmend negativ auf die Gewebe (Dhatus), Transportkanäle (Srotas) und das Verdauungsfeuer (Agni) aus.
2. Die Phase der Dosha Aggravation, der Verbreitung und Agni Schwäche
Wird die Ursache in der ersten Phase nicht behoben, „läuft das Fass sprichwörtlich über“. Das angesammelte (aggravierte) Dosha verlässt seinen Stammplatz und beginnt, durch die Transportkanäle (Srotas) in den restlichen Körper zu wandern. Es sucht sich dabei gezielt eine Schwachstelle im Gewebe und kann ein anderes Dosha von seinem eigentlichen Sitz verdrängen – das kann ein Gelenk sein, das Immunsystem oder die Haut. Hierdurch wird Agni weiter in seiner Funktion beeinträchtigt und am Ende gerät alles durcheinander.
Was du beim Tier merkst: Jetzt zeigen sich die ersten Warnsignale. Das Fell wirkt vielleicht stumpfer, der Kot ist mal zu fest oder zu weich, oder dein Tier zeigt eine leichte, unspezifische Unlust bei der Bewegung. Hier ist das Ungleichgewicht noch nicht „festgebacken“ – an diesem Punkt können wir mit Hilfe des Ayurveda noch regulierend eingreifen.
3. Die Phase der Manifestation (Krankheit & Chronifizierung)
In dieser Phase hat sich das Dosha fest im Gewebe (Dhatu) eingenistet. Das Verdauungsfeuer (Agni) ist geschwächt und es kann zu einem zunehmenden Anstieg von Ama (unvollständig aufgespaltene Stoffwechselzwischenprodukte) im Körper kommen. Diese wechselseitige Interaktion führt zu einer gegenseitigen Beeinträchtigung aller beteiligten Komponenten, ähnlich einem Teufelkreis. Die Gewebe werden nur noch unzureichend oder in schlechter Qualität gebildet und die Transportkanäle nicht mehr ausreichend gereinigt. Der Körper hat hier nicht mehr genügend Selbstheilungskräfte um sich selbst zu helfen.
Was du beim Tier merkst: Jetzt ist die Krankheit „sichtbar“ – zum Beispiel als entzündetes Gelenk, hartnäckiger Juckreiz oder chronische Verdauungsstörung. Hier reicht es meist nicht mehr aus, nur die Ursache wegzulassen; jetzt ist eine gezielte therapeutische Begleitung notwendig, um die Gewebe zu regenerieren.
Der Weg zurück ins Gleichgewicht
Wie du siehst, hat Frau Dr. Ziegler damals mit ihrem Satz: Krankheit fällt nicht vom Himmel, verdammt recht gehabt. Es ist ein schleichender Prozess. Das Gute daran: Wir haben in den ersten beiden Phasen ein großes Zeitfenster, um korrigierend einzugreifen.
Doch was machen wir, wenn dein Tier bereits in Phase 3 angekommen ist?
Im Ayurveda nennt man den Heilungsweg Samprapti Vighatana. Das bedeutet übersetzt so viel wie die „Auflösung der Krankheitsentstehung“. Wir versuchen dabei, den Weg, den die Krankheit gekommen ist, Stück für Stück wieder zurückzugehen.
Wir schauen nicht nur auf das Symptom, sondern wir beginnen damit, die Ursachen aus Phase 1 abzustellen. Wir stärken das Verdauungsfeuer (Agni), damit keine neuen “Stoffwechselschlacken” (Ama) entstehen, und helfen dem Körper, die „verirrten“ Doshas wieder dorthin zu bringen, wo sie hingehören.
Genesung bei chronischen Themen ist dabei selten linear. Es ist eher wie das vorsichtige Entwirren eines verknoteten Wollknäuels: Wir müssen Faden für Faden lösen. Das braucht oft viel Zeit, Geduld und vor allem einen Plan, der wirklich zur individuellen Natur deines Tieres passt.
Die Erstkonsultation als Schlüssel
Warum die Analyse der entscheidende erste Schritt ist
Einer jeden Empfehlung im Ayurveda geht eine gründliche Erstkonsultation voraus, denn nur so ist es möglich, nachhaltig erfolgreich Verbesserungen zu erzielen. Genau hier setzt meine ayurvedische Konstitutions- und Gesundheitsanalyse an.
Im Moment erreichen mich viele Anfragen erst dann, wenn die Beschwerden bereits sehr manifest sind. Aber weißt du was? Du musst nicht warten, bis die Symptome massiv werden.
In meiner Analyse suchen wir gemeinsam nach dem Ursprung des „Beschwerde-Knäuels“:
Wer ist dein Tier? Wir bestimmen die individuelle Grundkonstitution.
Wo liegt die Störung? Wir finden heraus, an welcher Stelle der Krankheitsentstehung dein Tier gerade steht.
Was ist der Lösungsweg? Du bekommst erste klare Empfehlungen für dein Tier. Wir konzentrieren uns bewusst auf das Wesentliche und legen zunächst 1 bis 2 Schwerpunkte fest. Denn ein geschwächter Körper ist nicht in der Lage, mehrere Baustellen gleichzeitig zu bearbeiten. Danach entscheiden wir gemeinsam, wie und was deinem Tier weiter guttun kann. Das können weitere Empfehlungen aus der ayurvedischen oder westlichen Naturheilkunde sein, die Bioresonanztherapie, ayurvedische Massagen oder auch eine Ernährungsumstellung.
Anstatt nur oberflächlich Symptome zu deckeln, schaffen wir ein stabiles Fundament. So können wir präventiv in Phase 1 gegensteuern oder bei chronischen Themen in Phase 3 eine echte Entlastung und mehr Wohlbefinden ermöglichen.
🌿 Chronische Erkrankungen entstehen nicht plötzlich – sie entwickeln sich.
Je früher wir Zusammenhänge erkennen, desto gezielter können wir begleiten.
In meiner ayurvedischen Konstitutions- und Gesundheitsanalyse finden wir heraus, wo dein Tier gerade steht und welche nächsten Schritte sinnvoll sind.
👉 Hier findest du alle Details zur Analyse und kannst deinen Termin anfragen
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Quellen:
Alle Bilder wurden sorgfältig aus der lizensierten Canva Pro Bibliothek ausgewähltSeminarunterlagen: Ayurveda-Tiertherapeut / Theresa Rosenberg / Rosenberg Akademie