Ätherische Öle für Hunde & Pferde -Aromatherapie trifft Ayurveda

Grundlagen, Wirkung und sichere Anwendung.

Als ich 2015 meine Ausbildung zur Aromaexpertin für Pflege- und Heilberufe bei Sabrina Herber begann, arbeitete ich noch als Kinderkrankenschwester. Ich war fasziniert von der Wirkung ätherischer Öle bei meinen kleinen Patient:innen - und auch davon, wie wohltuend Düfte für uns Pflegekräfte sein konnten. Damals ging ich ganz selbstverständlich davon aus, dass meine drei Hunde auf ätherische Öle ähnlich reagieren würden.

Schnell wurde mir klar, dass es so einfach nicht war. Zum Thema Aromatherapie bei Tieren gab es zu dieser Zeit nur wenig fundierte Informationen, vieles entstand aus Beobachtung und eigener Erfahrung. Manches davon war lehrreich, manches auch ernüchternd. In der Anwendung orientierte ich mich grundsätzlich an den Dosierungen für Kleinkinder bis 3 Jahre und ging bewusst sehr zurückhaltend vor. Immer mit dem starken Bewusstsein für Sicherheit im Hinterkopf, das uns Sabrina immer so eindrücklich vermittelt hatte.

Tiere reagieren sehr fein und daher manchmal auch sehr deutlich mit Abwehr, wenn man ihnen einfach ein geöffnetes Fläschchen ungefragt unter die Nase hält, sich ihnen mit einem Duftstreifen zu schnell nähert oder ihnen einen Duft „unterjubeln“ möchte, nur weil er im Buch gerade so passend beschrieben ist 😉.

Übrigens gilt das auch für uns Menschen. Auch wir reagieren individuell auf Düfte und sollten sehr genau auf unseren Körper hören. Nur weil jemand angeblich die ätherische Ölmischung gefunden hat, muss sie für uns noch lange nicht passen.

Mittlerweile ist das Internet voll von Kursen, Anwendungstipps und DIY-Rezepturen zur Aromatherapie bei Tieren. Ein Teil davon ist sorgfältig erarbeitet, vieles davon leider jedoch fachlich problematisch. Ätherische Öle werden pauschal als wohltuend, hilfreich und ohne Nebenwirkungen für eine Vielzahl von Beschwerden dargestellt, häufig ohne ausreichende Differenzierung, ohne Berücksichtigung individueller Reaktionen und ohne ein klares Verständnis für Sicherheit und Grenzen.

Ebenso wie beim Menschen, kann auch bei Hunden und Pferden diese Vereinfachung problematisch sein. Was für das eine Tier entspannend wirkt, kann für ein anderes überfordernd oder schlicht unangenehm sein.

Deshalb braucht Aromatherapie bei Hunden und Pferden mehr als gut gemeinte Rezepte. Sie braucht vor allem Wissen und ein gutes Verständnis für individuelle Reaktionen.

Und genau hier kann uns der Ayurveda mit seiner Lehre von den Doshas und der Konstitution eine gute Hilfe sein.


Inhaltsverzeichnis

  • Die Grundlagen der Aromatherapie bei Hunden & Pferden 
    • Was bedeutet Aromatherapie eigentlich?
    • Was sind ätherische Öle?
    • Was sind Hydrolate - und warum sie in der Arbeit mit Tieren so wertvoll sind
  • Wie ätherische Öle im Körper von Tieren wirken 
    • Wie Duftmoleküle in den Körper des Tieres gelangen 
    • Wirkung, Reaktion und Individualität: Warum nicht jeder Duft für jedes Tier passt
  • Ayurveda als Orientierung in der Aromatherapie bei Hunden und Pferden 
  • Grundlagen für eine sichere Anwendung bei Hunden & Pferden 
    • Trägersubstanzen: Warum die Wahl der Basis Teil der Wirkung ist
  • Sicherheit & Verantwortung 
  • Aromatherapie in der Praxis 
    • typische Beschwerdebilder 
    • Anwendungsmöglichkeiten
  • Häufig gestellte Fragen und Antworten 
  • Fazit: Aromatherapie mit Verantwortung und Feingefühl 

Die Grundlagen der Aromatherapie bei Hunden & Pferden

Was bedeutet Aromatherapie eigentlich?

Aromatherapie bezeichnet die gezielte Anwendung von Duftstoffen, insbesondere ätherischer Öle und Hydrolate, mit dem Ziel, körperliche, emotionale und seelische Prozesse zu unterstützen.

Aromatherapie ist kein modernes Wellness-Konzept, sondern eine sehr alte Form der Pflanzenanwendung. Duftstoffe wurden bereits in frühen Hochkulturen wie bei den Ägyptern, Griechen und Römern genutzt: z.B. zur Pflege, zur Unterstützung und Vorbeugung von Krankheiten, zur Wundbehandlung, für rituelle und spirituelle Zwecke, sowie zur Pafümierung. Auch Räucherungen und Salbungen hatten schon damals einen festen Platz im Alltag der Menschen.

Die moderne Aromatherapie entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts. Als “Vater der Aromatherapie” gilt der französische Chemiker René-Maurice Gattefossé, der sich intensiv mit den medizinischen Eigenschaften ätherischer Öle beschäftigte und den Begriff „Aromatherapie“ prägte.

Später trugen unter anderem der Arzt Jean Valnet und die Aromatherapeutin Marguerite Maury dazu bei, ätherische Öle in die medizinisch orientierte Naturheilkunde zu integrieren.

Aromatherapie ist also kein esoterisches Konzept, und man muss auch nicht „daran glauben“, damit sie wirkt – so wie es meine Pflegedienstleitung damals so nett formulierte –, sondern ein Teilbereich der Phytotherapie, also der Pflanzenheilkunde, der sich mit hochwirksamen Pflanzeninhaltsstoffen befasst. Ätherische Öle sind keine „sanften Duftwässerchen“, sondern komplexe Vielstoffgemische mit pharmakologisch aktiven Inhaltsstoffen.

Mir ist diese Klarstellung wichtig, weil ich gerade in meiner Zeit als Kinderkrankenschwester immer wieder mit dem Mythos konfrontiert war, man müsse „nur fest genug daran glauben“, damit ätherische Öle wirken. Diese Vorstellung wird weder den Ölen noch den Menschen – und schon gar nicht den Tieren – gerecht. Wirkung entsteht nicht durch Glauben, sondern durch biochemische Prozesse, individuelle Reaktionen und den passenden Einsatz.

Was sind ätherische Öle?

Ätherische Öle sind hochkonzentrierte, flüchtige Vielstoffgemische, die aus unterschiedlichen Pflanzenteilen gewonnen werden – zum Beispiel aus Blüten, Blättern, Nadeln, Rinden, Schalen, Samen, Wurzeln oder Harzen. Sie entstehen überwiegend durch Wasserdampfdestillation bzw. Wasserdestillation, durch Expression, also ein mechanisches Auspressen (wie bei Zitrusölen), oder durch verschiedene Extraktionsverfahren.

In einem einzigen kleinen Fläschchen steckt oft die Essenz großer Mengen Pflanzenmaterial. Das erklärt, warum ätherische Öle so intensiv riechen und warum sie so wirkstark sind. Pflanzen bilden diese Stoffe jedoch nicht für uns Menschen 😉, sondern für sich selbst: zur Abwehr von Schädlingen, zur Kommunikation, zur Anlockung von Bestäubern oder zur Regulation eigener Stoffwechselprozesse. Genau diese biologischen Funktionen machen ätherische Öle auch für therapeutische Anwendungen interessant.

Ätherische Öle bestehen nicht aus einer einzigen Substanz, sondern aus bis zu Hunderten einzelner Inhaltsstoffe, etwa Monoterpenen, Sesquiterpenen, Alkoholen, Aldehyden, Estern, Ketonen oder Phenolen. Allein aus der Rose sind über 400 Inhaltsstoffe bekannt. Diese komplexe Zusammensetzung ist verantwortlich für ihre vielfältigen Wirkungen.

Ihre Bestandteile können unter anderem hautpflegend – aber auch hautreizend –, entzündungshemmend, antimikrobiell, schleimlösend, entspannend, anregend oder nerval wirksam sein. Gleichzeitig können sie – je nach Öl, Dosierung und Anwendung – auch reizend oder unverträglich sein.

Und genau deshalb verlangen sie nach Fachwissen und einer sorgsamen Anwendung.

Kupferdestille zur Herstellung ätherischer Öle

Was sind Hydrolate - und warum sie in der Arbeit mit Tieren so wertvoll sind

Hydrolate, oft auch Pflanzenwässer genannt, entstehen bei der Wasserdampfdestillation ätherischer Öle. Während des Destillationsprozesses trennen sich die fettlöslichen Bestandteile (das ätherische Öl) von den wasserlöslichen Bestandteilen der Pflanze. Ein Hydrolat ist daher kein „verdünntes ätherisches Öl“ – wie mir einmal eine Apothekerin erklären wollte –, sondern ein eigenständiges Pflanzenprodukt mit eigener Zusammensetzung und eigener Wirkung.

Hydrolate enthalten nur sehr geringe Mengen ätherischer Ölbestandteile. Sie sind dadurch deutlich milder als ätherische Öle, wirken sanfter und werden von vielen Tieren sehr gut akzeptiert und vertragen.

Gerade in der Arbeit mit Hunden und Pferden spielen Hydrolate für mich deshalb eine wichtige Rolle. Sie eignen sich für sehr sensible Tiere, für erste Duftangebote, für die emotionale Begleitung, für die Hautpflege oder für Situationen, in denen ätherische Öle zu intensiv wären. Auch bei sehr jungen, sehr alten oder gesundheitlich geschwächten Tieren können Hydrolate eine gute Alternative zu ätherischen Ölen sein.

Mild bedeutet jedoch nicht wirkungslos – im Gegenteil: Ich habe das große Potenzial von Hydrolaten in meiner Arbeit schon sehr oft erleben dürfen.

In meiner Praxis sind Hydrolate deshalb häufig ein idealer Einstieg in die Aromaarbeit mit Tieren. Zu jeder gebuchten ayurvedischen Konstitutions- und Gesundheitsanalyse erhältst du daher eine Probe hochwertigen Rosenhydrolats zum Ausprobieren – ergänzt durch eine liebevoll gestaltete PDF mit Anwendungshinweisen.

Wie ätherische Öle im Köper von Tieren wirken

Wie Duftmoleküle in den Körper gelangen

Die Inhaltsstoffe ätherischer Öle können auf unterschiedlichen Wegen in den Organismus von Hunden und Pferden gelangen. Die drei wichtigsten Aufnahmewege sind der Geruchssinn, die Haut und, in geringerem Maße, die Schleimhäute. Die innerliche Einnahme ätherischer Öle sollte bei Tieren grundsätzlich vermieden werden, auch wenn ich diese Form der Anwendung mittlerweile leider immer häufiger lese.

Aufnahme über den Geruchssinn

Der naheliegendste Weg ist sicherlich die Aufnahme über die Nase. Hunde und Pferde besitzen einen sehr viel feineren Geruchssinn als wir Menschen. Sie nehmen die flüchtigen Bestandteile ätherischer Öle nicht nur intensiver wahr, sondern auch differenzierter.

Wenn ein Tier an einem Duft schnuppert, gelangen diese flüchtigen Moleküle in Kontakt mit den Zilien (Riechsinneshärchen) der Riechzellen in der Riechschleimhaut. Von dort werden die Duftinformationen direkt an das limbische System weitergeleitet – also jene Hirnareale, die unter anderem für Emotionen, Stressverarbeitung, Erinnerung und vegetative Reaktionen zuständig sind. Deshalb können Düfte sehr schnell entspannend, aktivierend, oder auch abwehrend wirken.

Diese Reaktionen sind unbewusst und somit unmittelbare körperliche Antworten auf einen Reiz. Und genau so ist es auch bei uns Menschen. Weder Tiere, noch wir, entscheiden rational, ob uns ein Duft gefällt oder nicht.

Viele Tiere verfügen neben dem klassischen Geruchssinn über ein weiteres Wahrnehmungssystem für chemische Signale: das sogenannte Vomeronasalorgan, auch Jacobson-Organ genannt. Über dieses Organ können unter anderem Pheromone wahrgenommen werden. Pheromone sind z.B. Sexuallockstoffe, Abwehrstoffe, Alarmsubstanzen oder Markierungsstoffe. Beim Menschen ist dieses Organ entweder nicht mehr vorhanden oder nur noch rudimentär ausgeprägt.

Beim Pferd lässt sich diese besondere Form der Geruchswahrnehmung häufig am sogenannten Flehmen beobachten: Das Tier hebt die Oberlippe an, zieht die Luft ein und „analysiert“ einen Geruch besonders intensiv. Dieses Verhalten tritt nicht nur bei sexuellen Signalen auf, sondern manchmal auch bei interessanten oder angenehm empfundenen Düften. Ich habe es selbst mehrfach erlebt, dass Pferde flehmen, wenn ihnen ein Duft ganz besonders zusagt 😉.

Aufnahme über die Haut (transdermal)

Ätherische Öle können, wenn sie korrekt verdünnt werden, auch über die Haut aufgenommen werden. Die lipophilen (fettlöslichen) Bestandteile der Öle sind in der Lage, die Hautbarriere zu durchdringen und in tieferliegende Gewebeschichten zu gelangen. Beim Menschen lassen sich einzelne Inhaltsstoffe bereits nach relativ kurzer Zeit im Blut nachweisen. Das zeigt, dass ätherische Öle nicht nur oberflächlich wirken, sondern auch systemische Prozesse beeinflussen können.

Dieser Aufnahmeweg eignet sich vor allem für lokale Anwendungen, etwa bei muskulären Verspannungen, zur Unterstützung der Hautpflege oder als begleitende Maßnahme im Rahmen von Massagen. Gleichzeitig ist dies auch der Anwendungsbereich, in dem die meisten Fehler passieren: Unverdünnte, zu hoch dosierte oder schlicht ungeeignete ätherische Öle können die Haut reizen oder gar schädigen.

Nicht selten wird in solchen Fällen behauptet, es handele sich um eine „Entgiftungsreaktion“. Wenn sich die Haut jedoch blasig verändert, stark gerötet ist oder sich sogar ablöst, ist das kein Zeichen von Entgiftung, sondern ein Anwendungsfehler.

Studien aus der veterinärmedizinischen Forschung zeigen, dass ätherische Öle nicht nur auf der körperlichen Ebene wirken, sondern auch neuroendokrine, zirkulatorische und andere Regulationssysteme beeinflussen können. In der tierärztlichen Praxis werden sie daher sowohl als begleitende als auch – in bestimmten Kontexten – als primäre Unterstützung eingesetzt. Entscheidend ist dabei immer die Einhaltung klarer Sicherheitsrichtlinien, denn nur dann ist das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen gering. (Quelle: siehe unten)

Aufnahme über Schleimhäute

Schleimhäute sind besonders empfindlich. Dazu zählen zum Beispiel die Augen, die Nasenschleimhaut, der Genitalbereich oder die Maulschleimhaut. In diesen Bereichen sollten ätherische Öle grundsätzlich nicht oder nur in sehr starker Verdünnung angewendet werden.

Gerade bei Tieren ist hier besondere Zurückhaltung gefragt, da sie Reizungen nicht verbalisieren können. Im Zweifel greife ich in solchen Fällen eher zu Hydrolaten, da sie – wie oben bereits beschrieben – deutlich milder sind.

Auch Raumluftanwendungen können Schleimhäute beeinflussen, vor allem bei intensiven Ölen oder hoher Konzentration. Deshalb ist es wichtig, bei Tieren auf gute Belüftung, geringe Dosierungen und vor allem auf freiwillige Distanzmöglichkeiten zu achten.

Wirkung, Reaktion und Individualität: Warum nicht jeder Duft für jedes Tier passt

In der aromatherapeutischen Fachliteratur werden ätherischen Ölen bestimmte „Wirkungen“ zugeschrieben – etwa entspannend, beruhigend, anregend oder ausgleichend. Diese Begriffe sind hilfreich, um sich grob zu orientieren, denn aufgrund ihrer Inhaltsstoffe sind solche Wirkungsangaben in jedem Fall berechtigt. Problematisch wird es jedoch dann, wenn sie als feste Versprechen verstanden werden – so als würde ein bestimmtes Öl bei jedem Tier immer die gleiche Wirkung entfalten. Oder noch problematischer: wenn angenommen wird, ein Tier brauche einen Duft besonders dann, wenn es ihn offensichtlich nicht mag.

Tiere reagieren nicht auf Wirkungsbeschreibungen, sondern auf das, was ihr Nervensystem, ihr Körper und ihre Wahrnehmung aus einem Reiz machen. Zwischen dem, was wir als Wirkung bezeichnen, und dem, was ein Tier tatsächlich erlebt, liegt immer ein individueller Prozess.

Ein Duft, der in der Literatur als entspannend beschrieben wird, kann für ein Tier angenehm sein, für ein anderes neutral und für ein drittes schlicht unangenehm. Und dies deshalb, weil Wahrnehmung, Vorerfahrungen, aktueller Zustand, Stresslevel, Konstitution und Kontext eine große Rolle spielen. Hier entscheidet also nicht unser Wunsch nach einer bestimmten Wirkung, sondern die tatsächliche Antwort des Nervensystems.

Bei funktionalen Anwendungen, etwa in der Hautpflege, der Wundbegleitung oder der lokalen Unterstützung von Heilungsprozessen, verschiebt sich dieser Fokus. Hier steht nicht die subjektive Duftwahrnehmung im Vordergrund, sondern die pharmakologischen Eigenschaften der Inhaltsstoffe – zum Beispiel ihre antimikrobiellen, entzündungshemmenden oder wundpflegenden Effekte. In solchen Situationen ist es weniger entscheidend, ob ein Tier den Duft „mag“, sondern ob die Anwendung sinnvoll, sicher und fachlich begründet ist.

Für eine verantwortungsvolle Aromatherapie bei Tieren braucht es also beides: fundiertes Wissen über Inhaltsstoffe und Wirkweisen und die Bereitschaft, die individuelle Reaktion ernst zu nehmen.

Und genau hier kommt der Ayurveda ins Spiel:

Ayurveda als Orientierung in der Aromatherapie bei Hunden und Pferden

Ayurveda und Aromatherapie sind eng miteinander verbunden, denn die ayurvedische Medizin misst dem Geruchssinn und aromatischen Pflanzen seit jeher eine besondere Bedeutung für das körperliche und seelische Gleichgewicht bei. In den klassischen Schriften wird beschrieben, dass Düfte – sogenannte Gandha Dravya – direkt auf Prana, die Lebensenergie, auf die Doshas sowie auf den emotionalen Zustand wirken können. Sie werden dort nicht nur als angenehm wahrgenommen, sondern gezielt genutzt, um innere Stabilität, Entspannung und Vitalität zu unterstützen.

Auch wenn der Begriff „Aromatherapie“ vergleichsweise jung ist, nutzt Ayurveda seit Jahrhunderten wohlriechende Pflanzen, Harze, Hölzer und Blüten in Form von Einreibungen, Massageölen, Bädern und Räucherwerk. Diese Anwendungen dienten traditionell der Reinigung, der Regeneration und der Begleitung von Heilungsprozessen. Düfte wurden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern immer im Zusammenhang mit Konstitution, aktuellem Dosha-Zustand und dem Ziel der Behandlung eingesetzt.

Dieses Verständnis lässt sich gut auf Hunde und Pferde übertragen. In meiner Arbeit verbinde ich deshalb die ayurvedische Sicht auf Doshas, Prana und Agni mit moderner, tiergerechter Aromatherapie. Ich wähle ätherische Öle nicht nur nach ihren Inhaltsstoffen aus, sondern auch danach, wie sie zur Konstitution des jeweiligen Tieres passen.

Ziele können dabei zum Beispiel sein, innere Unruhe, und damit ein zu hohes Vata, zu beruhigen und zu erden, Pitta und damit zu viel Hitze zu mildern oder Trägheit und damit zu viel Kapha sanft in Bewegung zu bringen.

Der ayurvedische Blick hilft so, Duftreaktionen besser einzuordnen und ätherische Öle gezielter auszuwählen.

Mehr Infos zu den Doshas findest du in diesem Blogartikel und hier kannst du mehr über die ayurvedischen Grundlagen erfahren.

Pflanzenstoffe im Ayurveda und der Aromatherapie

Grundlagen für eine sichere Anwendung bei Hunden & Pferden

Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Pflanzenextrakte. Für einen Tropfen Rosenöl werden ca. 30 frisch erblühte Rosen benötigt (Quelle: Primaveralife). Diese hohe Konzentration ist der Grund für ihre Wirksamkeit und zugleich der Grund, warum sie niemals unverdünnt angewendet werden sollten.

In der Aromatherapie für Hunde und Pferde wird in der Regel mit sogenannten physiologischen Verdünnungen gearbeitet. Damit sind Konzentrationen gemeint, die sich an natürlichen Vorkommen ätherischer Öle in Pflanzen orientieren und vom Organismus in der Regel gut verarbeitet werden können. (Für Katzen gelten hier andere Regeln, da ihr Stoffwechsel sich deutlich von dem von Hunden und Pferden unterscheidet.)

Gerade für Tierhalter:innen ist es sinnvoll, sich an diese bewährten Verdünnungen zu halten. Sie haben sich in der Praxis bewährt und tragen dazu bei, das Risiko von unerwünschten Reaktionen zu minimieren.

In der Natur kommen ätherische Öle in den meisten Pflanzen nur in sehr geringen Konzentrationen vor – meist unter 1 %, maximal etwa 2 % (Zimmermann: Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe, 2018, S. 195). Mit diesen Konzentrationen sind wir Menschen ebenso wie Tiere, insbesondere Pflanzenfresser wie Pferde, evolutiv vertraut. Sie begegnen diesen Stoffen in ihrem natürlichen Umfeld regelmäßig, was erklärt, warum solche niedrigen Konzentrationen in der Regel gut vertragen werden.

Bei Anwendungen, die über den Geruchssinn wirken und auf emotionale oder vegetative Prozesse abzielen, wird häufig noch deutlich niedriger dosiert. In vielen Fällen reichen Konzentrationen von 0,5 % oder sogar weniger aus.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes ätherische Öl automatisch gut verträglich ist. Auch bei niedrigen Dosierungen spielt die individuelle Zusammensetzung eines Öls eine große Rolle. Inhaltsstoffe, die per se hautreizend oder sehr stark wirksam sind, sollten auch in Mischungen nur in sehr geringer Konzentration eingesetzt werden – oder gegebenenfalls ganz außen vor bleiben.

Ein praktisches Dosierkärtchen findest du bei Eliane Zimmermann zum Download. Es zeigt dir, wie viele Tropfen ätherischen Öls in welcher Menge Trägeröl nötig sind, um eine bestimmte Konzentration herzustellen.

Trägersubstanzen: Warum die Wahl der Basis Teil der Wirkung ist

In der Aromatherapie wird häufig über die Wahl der ätherischen Öle gesprochen – über ihre Inhaltsstoffe, ihre Wirkprofile und ihre Einsatzmöglichkeiten. Deutlich seltener wird jedoch thematisiert, womit diese Öle eigentlich verdünnt und angewendet werden. Dabei wird oft übersehen, dass auch diese Trägersubstanzen wertvolle Inhaltsstoffe in sich bergen.

Fette Pflanzenöle - mehr als nur eine Verdünnungsmöglichkeit

Fette Pflanzenöle gehören zu den am häufigsten verwendeten Trägersubstanzen in der Aromatherapie. Sie dienen nicht nur dazu, die Konzentration ätherischer Öle zu reduzieren, sondern bringen selbst wertvolle Inhaltsstoffe mit: Fettsäuren, Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und antioxidative Komponenten, die die Haut pflegen, schützen und in ihrer Regeneration unterstützen können.

Je nach Zusammensetzung unterscheiden sich Pflanzenöle deutlich in ihrer Wirkung. Manche ziehen schnell ein, andere bleiben länger auf der Haut. Einige wirken eher kühlend, andere wärmend. Manche eignen sich besonders für trockene oder empfindliche Haut, andere für stark beanspruchte oder entzündlich veränderte Hautareale.

Für die Aromatherapie bedeutet das: Die Wahl des Trägeröls ist ebenso wichtig, wie die Auswahl des ätherischen Öls. Es entscheidet mit darüber, ob und wie eine Anwendung wirkt.

Einige von mir häufig verwendete Trägeröle in der Arbeit mit Hunden und Pferden sind zum Beispiel:

Aloe-Vera-Öl (Mazerat)
Wird häufig bei gereizter, empfindlicher oder trockener Haut eingesetzt. Es wirkt kühlend, feuchtigkeitsspendend und beruhigend.

Calendulaöl (Ringelblumenmazerat)
Bekannt für seine hautberuhigenden und regenerationsfördernden Eigenschaften. Es eignet sich besonders bei sensibler, strapazierter oder irritierter Haut.

Gotu-Kola-Öl (Mazerat aus Centella asiatica)
Ein klassisches ayurvedisches Kraut, das häufig in Sesamöl mazeriert wird. Es wird traditionell zur Unterstützung der Hautregeneration und des Bindegewebes eingesetzt und spielt im Ayurveda eine wichtige Rolle, insbesondere im Zusammenhang mit entzündlichen Hauterkrankungen. Gotu Kola gilt als kühlendes Kraut und kann vor allem bei Pitta-Konstitutionen hilfreich sein.

Johanniskrautöl (Mazerat)
Traditionell verwendet bei nervaler Reizung, Verspannungen und gereizter Haut. Es wirkt wärmend und beruhigend, sollte jedoch aufgrund seiner möglichen lichtsensibilisierenden Eigenschaften mit Bedacht eingesetzt werden. Das sogenannte Rotöl ist nicht zu verwechseln mit dem ätherischen Öl des Johanniskrauts.

Jojobaöl
Streng genommen ein flüssiges Wachs. Es ist sehr stabil, jahrelang haltbar, zieht gut ein und wird in der Regel sehr gut vertragen. Da es nahezu geruchsneutral ist, eignet es sich besonders gut für Duftmischungen, bei denen das Trägeröl den Charakter der ätherischen Öle nicht überdecken soll.

Kokosöl
Kühlend und hautpflegend. Es eignet sich gut für trockene oder strapazierte Haut und wird von vielen Tieren gut akzeptiert. Ich nutze es gerne als Grundlage für Balsame. Im Ayurveda gibt es zahlreiche kühlende Massageöle auf Kokosölbasis. Dort wird dieses Öl Keram genannt. Aufgrund seiner kühlenden Eigenschaften ist es besonders für Pitta Konstitutionen geeignet.

Mandelöl
Mild, gut verträglich und reich an ungesättigten Fettsäuren. Es ist relativ preiswert, zieht schnell ein und wird häufig bei empfindlicher Haut eingesetzt. Zudem unterstützt es den Feuchtigkeitshaushalt der Haut.

Sesamöl
Ein klassisches Basisöl im Ayurveda. Ein sogenanntes Tailam ist ein Öl auf Sesamölbasis, das mit ausgewählten Heilpflanzen angesetzt wird. Diese Tailams haben – je nach Pflanzenrezeptur – spezifische Wirkungen, die ich mir auch bei meinen ayurvedischen Massagen für Hunde und Pferde zunutze mache. Sesamöl gilt als wärmend, nährend und reinigend.

Sheabutter
Sehr reichhaltig, schützend und rückfettend. Sie eignet sich vor allem für sehr trockene, rissige oder stark beanspruchte Hautareale, sowie als Bestandteil von Salben oder Balsamen.

Wildrosenöl (Hagebuttenkernöl)
Reich an ungesättigten Fettsäuren und bekannt für seine regenerierenden Eigenschaften. Es wird häufig bei beanspruchter Haut und in der Narbenpflege eingesetzt.

Diese Aufzählung ist nicht vollständig, sondern dient lediglich der Orientierung. Die Welt der Pflanzenöle ist vielfältig – und jedes Öl bringt eigene Eigenschaften mit. Möglicherweise widme ich diesem Thema in Zukunft einen eigenen, ausführlichen Artikel.

Die richtige Auswahl des Pflanzenöls macht eine aromatherapeutische Mischung perfekt

Hydrolate - Pflanzenwässer

Hydrolate können ebenfalls als Trägersubstanz dienen. Da sie jedoch überwiegend aus Wasser bestehen und nur minimale Mengen fettlöslicher Pflanzenbestandteile enthalten, verbinden sich ätherische Öle nicht von selbst mit ihnen. Wird ein ätherisches Öl einfach in ein Hydrolat getropft, schwimmt es oben auf und bildet keine stabile Mischung.

Für eine gleichmäßige Verteilung gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man arbeitet mit einem geeigneten Emulgator, zum Beispiel Solubol, oder man verwendet eine Mischung aus Hydrolat und ätherischem Öl als sogenannte Schüttelemulsion. Dabei wird das Fläschchen vor jeder Anwendung kräftig geschüttelt, sodass sich Öl und Wasser zumindest kurzfristig verbinden.

Ein wichtiger Unterschied zu fetten Trägerölen ist die Haltbarkeit. Hydrolate sind deutlich empfindlicher gegenüber mikrobieller Belastung. Sie sollten kühl, lichtgeschützt und hygienisch einwandfrei gelagert werden und sind – je nach Qualität und Art der Konservierung – nur begrenzt haltbar.

Werden Hydrolate mit Alkohol konserviert, kann dies die Haltbarkeit zwar verlängern, bringt aber eine neue Problematik mit sich: Auf empfindlicher Haut, auf Schleimhäuten oder bei vorgeschädigter Haut können alkoholhaltige Mischungen brennen oder reizen.

Als Trägersubstanz eignen sich Hydrolate vor allem dann, wenn eine sehr leichte, wässrige Grundlage gewünscht ist und keine pflegenden Lipide benötigt werden.

Einige Hydrolate, die ich in der Arbeit mit Hunden und Pferden besonders häufig nutze, sind zum Beispiel:

Rosenhydrolat
Wird häufig bei sensibler, gereizter oder trockener Haut eingesetzt. Es wirkt kühlend, kann ausgleichend auf das Nervensystem wirken und eignet sich daher auch für emotionale Anwendungen. Im Ayurveda wird die Rose traditionell als pitta-ausgleichend beschrieben, zugleich wirkt sie auch stabilisierend auf Vata, insbesondere bei innerer Unruhe, Nervosität oder Überreizung. Für mich ist Rosenhydrolat daher ein echter Allrounder, der in keiner tierischen Haus- oder Stallapotheke fehlen sollte.

Hamamelishydrolat
Bekannt für seine adstringierenden, juckreizmildernden und hautstabilisierenden Eigenschaften. Es wird häufig bei irritierter, geröteter oder beanspruchter Haut eingesetzt sowie zur Linderung von juckenden Insektenstichen.

Lavendelhydrolat
Mild, vielseitig und in der Regel sehr gut verträglich. Es wird häufig bei empfindlicher oder gereizter Haut eingesetzt und kann beruhigend auf das Nervensystem wirken. Auch bei innerer Unruhe, Stress oder Überforderung kann Lavendelhydrolat unterstützend sein.
Da dieses Hydrolat so viele unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten hat, habe ich ihm einen eigenen, ausführlichen Artikel gewidmet: Hier kannst du meinen Beitrag zu Lavendelhydrolat lesen.

Orangenblütenhydrolat (Neroli)
Wird häufig bei nervöser Anspannung, innerer Unruhe und Angst eingesetzt. Ich nutze es gerne in Kombination mit Rosenhydrolat, insbesondere bei Tierschutzhunden. Auf der Haut wirkt es regenerierend und feuchtigkeitsspendend.

Immortellenhydrolat
Wird häufig bei beanspruchter, empfindlicher oder regenerationsbedürftiger Haut eingesetzt. Gekühlt wirkt dieses Hydrolat hervorragend bei Prellungen und Hämatomen. Ich nutze es auch gerne in der Nachsorge nach chirurgischen Eingriffen, wenn sich hämatöse Veränderungen zeigen.

Auch hier gilt: Diese Auswahl ist nicht vollständig, sondern dient lediglich der Orientierung. Jedes Hydrolat bringt seine eigenen Eigenschaften mit.

Weitere Verdünnung- und Darreichungsformen

Neben fetten Pflanzenölen und Hydrolaten gibt es noch weitere Möglichkeiten, ätherische Öle zu verdünnen und anzuwenden. Diese spielen vor allem dann eine Rolle, wenn bestimmte praktische Anforderungen im Vordergrund stehen – etwa Haltbarkeit, Hygiene oder eine gezielte lokale Anwendung.

Alkoholische Lösungen

Alkohol eignet sich gut als Trägersubstanz für Raumsprays oder ähnliche Anwendungen, da ätherische Öle sich darin zuverlässig lösen und die Mischung durch den Alkohol gleichzeitig vor schneller Verkeimung geschützt wird.

Gerade für die Raumbeduftung oder für Sprays, die nicht direkt auf Haut oder Schleimhäute gelangen sollen, kann Alkohol daher eine sinnvolle Grundlage sein.

Auf der Haut und insbesondere auf Schleimhäuten ist jedoch Vorsicht geboten. Alkohol kann dort brennen, reizen oder austrocknend wirken – vor allem bei empfindlichen oder vorgeschädigten Hautarealen. In der Arbeit mit Tieren nutze ich daher alkoholische Mischungen zur Hautpflege gar nicht.

Cremes, Salben und Balsame

Cremes, Salben und Balsame sind streng genommen keine Verdünnungsformen im klassischen Sinn, sondern Darreichungsformen. Sie enthalten in der Regel bereits eine Fettphase, in die ätherische Öle eingearbeitet werden können.

Sie unterscheiden sich deutlich von flüssigen Trägersubstanzen:
Sie bleiben länger auf der Haut, wirken oft stärker schützend eignen sich besonders für trockene, rissige oder stark beanspruchte Hautareale.

Typische Einsatzbereiche sind zum Beispiel Pfotenpflege, Narbenpflege, Wundränder oder sehr trockene Hautstellen.

Sicherheit & Verantwortung

Aromatherapie kann eine wertvolle Unterstützung für Hunde und Pferde sein – vorausgesetzt, sie wird verantwortungsvoll und mit fundiertem Fachwissen angewendet. Fachwissen bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, dass man sich nach einem kurzen Seminar bereits als Aromatherapeut:in bezeichnen kann, sondern dass man die Wirkweisen, Risiken und Grenzen dieser hochkonzentrierten Pflanzenextrakte wirklich versteht.

Verantwortung in der Aromatherapie bedeutet nicht, Angst zu verbreiten oder jede Anwendung zu problematisieren. Sie bedeutet vielmehr, die Möglichkeiten und die Grenzen zu kennen und sie ernst zu nehmen.

Warum „Reinheit“ keine Anwendungssicherheit garantiert

Gerade im Umfeld von Direktvertrieb begegnet mir immer wieder die Aussage, bestimmte ätherische Öle seien so „rein“, dass man sie problemlos innerlich einnehmen könne. Diese Schlussfolgerung ist fachlich nicht haltbar.

Ein ätherisches Öl kann chemisch sehr rein sein und dennoch innerlich problematisch wirken. Reinheit ist ein Qualitätsmerkmal, das stimmt, aber sie macht ein hochkonzentriertes Vielstoffgemisch jedoch nicht automatisch sicher für jede Art der Anwendung.

Entscheidend sind immer:
– die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe
– die Dosierung
– der Anwendungsweg
– die individuelle Empfindlichkeit
– Vorerkrankungen
– mögliche Wechselwirkungen.

Was „therapeutische Reinheit“ wirklich bedeutet und was nicht

Begriffe wie „therapeutische Qualität“ oder „therapeutische Reinheit“ sind marketingwirksam, aber fachlich nicht geschützt. Es handelt sich dabei nicht um genormte Qualitätsstandards, sondern um unternehmensinterne Bezeichnungen.

Ein hochwertiges ätherisches Öl zeichnet sich nicht durch einen Werbebegriff aus, sondern durch transparente Qualitätskriterien wie:
– botanisch korrekte Deklaration (Gattung, Art, ggf. Chemotyp)
– verwendeter Pflanzenteil
– Herkunft und Anbauweise
– Herstellungsverfahren usw.

Solche Qualitäten findet man nicht nur bei großen Marken, sondern ebenso bei vielen seriösen deutschen und europäischen Herstellern und oft auch bei kleinen, familienbetriebenen Destillerien. Gerade diese arbeiten häufig mit viel Sorgfalt, kurzen Lieferketten und einem sehr bewussten Umgang mit ihren Pflanzen.

Ich ermutige meine Klient:innen deshalb, sich nicht von Marketingversprechen leiten zu lassen, sondern sich mit Qualität auseinanderzusetzen. Manchmal lohnt es sich sehr, auch kleine Destillerien kennenzulernen, ihre Öle zu testen und die Unterschiede selbst zu erspüren und vor allem zu riechen.

Wer eine verlässliche Orientierung sucht, findet sie zum Beispiel im Shop meiner früheren Aromatherapie-Ausbilderin Sabrina Herber, die seit vielen Jahren mit sorgfältig ausgewählten Herstellern arbeitet und hohe Qualitätsmaßstäbe anlegt.

Ein Wort zur innerlichen Anwendung ätherischer Öle bei Tieren

Die innerliche Einnahme ätherischer Öle wird im Internet und in sozialen Medien zunehmend als selbstverständlich dargestellt. Aus fachlicher Sicht ist diese Entwicklung kritisch zu bewerten.

Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Vielstoffgemische mit pharmakologisch aktiven Inhaltsstoffen. Innerlich angewendet wirken sie als stark wirksame Substanzen, die direkt in den Stoffwechsel eingreifen und mit den empfindlichen Schleimhäuten von Speiseröhre, Magen und Darm in Kontakt kommen. Sie werden über den Verdauungstrakt aufgenommen, in der Leber verstoffwechselt und können, je nach Zusammensetzung, Dosierung und individueller Empfindlichkeit, reizend oder gar toxisch wirken.

Auch im Humanbereich wird die innerliche Anwendung ätherischer Öle nicht als alltägliche Praxis betrachtet. Sie ist in vielen Ländern Ärzt:innen vorbehalten und wird nur in klar begründeten Ausnahmefällen eingesetzt.

Hunde und Pferde können nicht mitteilen, wenn ihnen übel ist, etwas brennt oder sie sich nach der Einnahme unwohl fühlen. Unerwünschte Reaktionen können deshalb zu spät oder nur indirekt über Verhalten, Appetit oder Verdauungsbeschwerden erkannt werden.

Aus diesen Gründen gehört die innerliche Anwendung ätherischer Öle für mich nicht in die Laienpraxis – und auch nicht in die reguläre tiertherapeutische Begleitung. Für die allermeisten Anwendungsbereiche gibt es deutlich sicherere und sinnvollere Wege: über den Geruchssinn, über die Haut oder durch die Auswahl geeigneter pflanzlicher Zubereitungen aus der Phytotherapie.

Aromatherapie in der Praxis:

Typische Beschwerdebilder

In der praktischen Arbeit mit Hunden und Pferden arbeite ich indikationsbezogen und zugleich intuitiv – jedoch immer auf Grundlage der bekannten Inhaltsstoffe ätherischer Öle und Hydrolate. Das bedeutet: Ich wähle bestimmte Pflanzenessenzen gezielt aus, passend zum jeweiligen Beschwerdebild und, wenn bekannt, der individuellen Konstitution und beobachte dann, wie das Tier darauf reagiert.

Im Folgenden findest du typische Anwendungsfelder, in denen Aromatherapie bei Hunden und Pferden sinnvoll integriert werden kann.

Hinweis: Aromatherapie ersetzt in keinem dieser Bereiche eine tierärztliche Diagnostik oder medizinische Behandlung . Sie kann jedoch, die Regeneration unterstützen und Heilungsprozesse begleiten.

Hautpflege, Wundbegleitung und Regeneration

Ein klassisches und sehr dankbares Einsatzgebiet der Aromatherapie bei Hunden und Pferden ist die begleitende Unterstützung bei Hautproblemen und in der Wundversorgung. Dazu zählen unter anderem:

  • kleinere Verletzungen und Schürfwunden

  • die Nachsorge nach chirurgischen Eingriffen

  • Ekzeme, Mauke und andere entzündliche Hautveränderungen

  • Hotspots– Insektenstiche

  • juckende oder gereizte Hautareale

  • schlecht heilende Hautstellen

  • Narbenpflege

Hier steht weniger die emotionale Duftwahrnehmung im Vordergrund, sondern die funktionale Wirkung auf Haut und Gewebe. Trotzdem bleibt die individuelle Verträglichkeit entscheidend: Auch bei äußerlicher Anwendung beobachte ich genau, wie das Tier reagiert, ob es die Berührung zulässt, sich entspannt oder Abwehr zeigt. Auch ein vorheriger Verträglichkeitstest kann sinnvoll sein.

Bewegungsapparat, Muskulatur und Bindegewebe

Ein weiteres wichtiges Anwendungsfeld der Aromatherapie bei Hunden und Pferden ist die begleitende Unterstützung bei Beschwerden des Bewegungsapparats. Dazu zählen unter anderem:

  • muskuläre Verspannungen

  • Überlastungsreaktionen

  • myofasziale Probleme

  • altersbedingte Bewegungseinschränkungen

  • begleitende Unterstützung bei Arthrose

  • steife oder schmerzempfindliche Bewegungsabläufe

  • Regeneration nach Belastung

In diesem Bereich wähle ich ätherische Öle und Trägersubstanzen gezielt nach ihren bekannten Eigenschaften aus, zum Beispiel durchblutungsfördernd, muskelentspannend, wärmend, kühlend oder schmerzlindernd. Häufig kombiniere ich die Aromatherapie hier mit einer ayurvedischen Massage, die in manchen Fällen auch nur Teilbereiche umfassen kann.

Atemwege

Gerade im Bereich der Atemwege ist eine differenzierte Auswahl besonders wichtig. Nicht jedes ätherische Öl ist für jede Phase einer Atemwegsproblematik geeignet. Was in einer schleimigen, produktiven Phase unterstützend wirken kann, kann in einer trockenen, gereizten oder entzündlichen Phase zu zusätzlicher Reizung führen.

Auch Inhalationen mit ätherischen Ölen sind nicht grundsätzlich unproblematisch. Die stark flüchtigen Bestandteile können die Schleimhäute reizen und massive Hustenreflexe auslösen. Deshalb arbeite ich in diesem Bereich besonders zurückhaltend, oft mit sehr niedrigen Konzentrationen oder mit Hydrolaten.

Nervensystem, Stress und emotionale Belastungen

Ein weiteres zentrales Anwendungsfeld der Aromatherapie bei Hunden und Pferden ist die begleitende Unterstützung des Nervensystems. Hier geht es weniger um lokale Prozesse im Gewebe, sondern um Regulation, Sicherheit und Entlastung auf vegetativer Ebene.

Typische Situationen, in denen ich Aromatherapie in diesem Bereich einsetze, sind unter anderem:

  • akute oder chronische Stresszustände

  • Angst und Unsicherheit

  • innere Unruhe

  • Reizüberflutung

  • Trauma und traumatische Vorerfahrungen

  • Anpassungsschwierigkeiten (z. B. nach Stallwechsel, Umzug, neue Herdenkonstellationen)

  • Klinikaufenthalte oder Trennungssituationen

  • Tierschutzhunde mit belastender Vorgeschichte

In diesen Fällen wähle ich ätherische Öle und Hydrolate nicht primär nach körperlichen Indikationen aus, sondern nach ihrer bekannten Wirkung auf das vegetative Nervensystem – und lasse dann das Tier entscheiden.

Hier spielt die Duftwahrnehmung eine größere Rolle als in anderen Anwendungsfeldern.

In der Praxis bedeutet das: Ich lasse die Tiere sich vorsichtig dem Duft nähern – nicht umgekehrt. Ich halte ihnen kein geöffnetes Fläschchen oder Hydrolat direkt an die Nase und „überfalle“ sie damit, sondern gebe in der Regel noch nicht einmal einen Tropfen auf einen Duftstreifen und halte diesen mit etwas Abstand hin. So kann das Tier selbst entscheiden, ob es sich annähern möchte oder nicht.

Bei Hunden habe ich es auch schon so gehandhabt, dass ich mehrere verschlossene Fläschchen auf den Boden gestellt habe, sodass sie sich frei im Raum bewegen und selbst entscheiden konnten, welchem Duft sie sich nähern möchten. Auch das kann sehr aufschlussreich sein.

Alte Tiere und palliative Begleitung

Ein sehr bedeutsames Einsatzgebiet der Aromatherapie ist die Begleitung alter oder schwerkranker Tiere. In diesen Phasen geht es nicht mehr um Leistungsfähigkeit oder das Erreichen von Therapiezielen, sondern um die Erhaltung einer möglichst guten und tolerablen Lebensqualität.

Typische Situationen, in denen Aromatherapie hier unterstützend eingesetzt werden kann, sind zum Beispiel:

– altersbedingte Unruhe oder Rückzug
– Schmerzen und Spannungszustände
– verändertes Schlafverhalten
– Angst oder Desorientierung
– reduzierte Belastbarkeit
– palliative Begleitung am Lebensende

In diesem Bereich wähle ich ätherische Öle und Hydrolate besonders behutsam aus. Ich greife bevorzugt zu Düften, die beruhigen und ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln, wie zum Beispiel Melissenhydrolat, Lavendelhydrolat oder ätherische Öle wie Benzoe Siam.

Oft sind es sehr sanfte Duftangebote oder milde äußerliche Anwendungen, die das Tier als angenehm empfindet – manchmal auch nur für kurze Momente.

Aromatherapie kann in diesen Phasen nichts „lösen“. Sie kann jedoch begleiten: durch Nähe, durch Zuwendung der Bezugsperson und durch das Gefühl, wahrgenommen und gesehen zu werden. Gerade bei Tieren, die nicht mehr aktiv behandelt werden können oder sollen, kann dies ein wertvoller Teil der Begleitung sein.

Aber auch für uns als Tierhalter:innen kann Aromatherapie in solchen schweren Zeiten eine Unterstützung sein. Denn allzu leicht vergessen wir uns selbst zwischen Sorge, Verantwortung und Abschied.

Anwendungsmöglichkeiten

In der Aromatherapie bei Hunden und Pferden gibt es verschiedene Wege, wie ätherische Öle und Hydrolate sinnvoll eingesetzt werden können. Welche Form gewählt wird, hängt vom Ziel der Anwendung, vom Zustand des Tieres und vom jeweiligen Kontext ab.

1. Duftangebote über den Geruchssinn
Hierbei wird dem Tier die Möglichkeit gegeben, einen Duft freiwillig wahrzunehmen. Dies kann über einen Duftstreifen, ein Wattepad oder ein verschlossenes Fläschchen erfolgen, das mit Abstand angeboten wird. Das Tier entscheidet selbst, ob es sich nähert, verweilt oder Abstand nimmt.
Diese Form eignet sich besonders bei emotionalen Themen wie Unruhe, Stress, Angst oder Anspannung und überall dort, wo eine Regulation über das vegetative Nervensystem gewünscht ist.

2. Raumluftanwendungen
Ätherische Öle oder Hydrolate können in sehr niedriger Dosierung zur Raumbeduftung eingesetzt werden, etwa über einen Diffuser oder eine Duftlampe.
Dabei ist wichtig, dass:
– der Raum gut belüftet ist
– das Tier den Raum jederzeit verlassen kann
– keine Dauerbeduftung erfolgt (max. 20 Minuten am Stück sind vollkommen ausreichend)

Diese Form kann zum Beispiel unterstützend bei nervöser Unruhe, in Wartebereichen oder bei alten und geschwächten Tieren eingesetzt werden, wenn sie als angenehm erlebt wird.

3. Äußerliche Anwendungen auf der Haut
Verdünnte Mischungen in Pflanzenölen, Salben oder Balsamen können lokal angewendet werden, zum Beispiel:
– bei verspannten Muskelpartien
– zur Unterstützung der Hautpflege
– im Rahmen von Massagen
– bei Narben oder strapazierter Haut

Die Anwendung erfolgt gezielt und begrenzt auf bestimmte Körperregionen.

4. Kompressen und Tücher
Hydrolate oder stark verdünnte Mischungen können auf Tücher oder Kompressen gegeben und lokal aufgelegt werden, etwa bei:
– Prellungen
– Schwellungen
– empfindlichen Hautstellen
– zur kühlenden oder beruhigenden Begleitung

Diese Form ist besonders schonend und zeitlich gut kontrollierbar.

5. Balsame, Salben und Pflegeprodukte
Ätherische Öle können in selbst hergestellte oder fachlich abgestimmte Pflegeprodukte eingearbeitet werden, zum Beispiel in:
– Pfotenbalsame
– Hautschutzsalben
– Narbenpflege
– Wundrandpflege (begleitend)

Hier verbindet sich die Wirkung der Pflanzenöle mit den Eigenschaften der ätherischen Öle.

Häufig gestellte Fragen & Antworten

  • Ja – wenn sie korrekt ausgewählt, richtig verdünnt und verantwortungsvoll angewendet werden. Unsachgemäße Anwendung, zu hohe Dosierungen oder die innerliche Einnahme können jedoch problematisch sein. Sicherheit ist immer wichtiger als schnelle Effekte.

    Zudem gibt es ätherische Öle, die bei Hunden und Pferden nicht oder nur mit fundiertem Fachwissen eingesetzt werden sollten. In solchen Fällen ist es sinnvoll, sich an eine entsprechend ausgebildete Aromafachperson zu wenden.

  • Die innerliche Anwendung ätherischer Öle gehört nicht in die Laienpraxis und auch nicht in die reguläre tiertherapeutische Begleitung. Hunde und Pferde unterscheiden sich deutlich vom Menschen im Stoffwechsel und können Unwohlsein oder Nebenwirkungen nicht mitteilen. Für die meisten Anwendungsbereiche gibt es sichere Alternativen.

  • Ja, aber nur korrekt verdünnt und indikationsbezogen. Hier werden Öle nicht nach Duft ausgewählt, sondern nach ihren bekannten Inhaltsstoffen (z. B. hautberuhigend oder regenerationsfördernd). Aromatherapie ersetzt keine tierärztliche Abklärung, kann aber begleitend sinnvoll sein.

  • Für den verantwortungsvollen Umgang mit ätherischen Ölen bei Tieren ist Fachwissen wichtig. Wochenendkurse oder Internetrezepte ersetzen keine fundierte Ausbildung. Wer mit ätherischen Ölen arbeiten möchte, sollte sich intensiv mit Inhaltsstoffen, Dosierungen und Kontraindikationen beschäftigen. Am besten lässt du dich von einer Fachperson beraten.

  • Nein. Aromatherapie ist eine begleitende Methode. Sie kann Prozesse unterstützen, aber keine Diagnostik oder notwendige medizinische Behandlung ersetzen.

Fazit: Aromatherapie mit Verantwortung und Feingefühl

Aromatherapie kann Hunde und Pferde auf vielfältige Weise begleiten – körperlich, emotional und energetisch. Sie ist kein Allheilmittel, aber eine sehr wertvolle und wohltuende Unterstützung, wenn sie mit Wissen und vor allem mit Respekt vor Natur, Pflanze und Tier angewendet wird.

Entscheidend ist nicht das Öl allein, sondern

wie es ausgewählt wird,

wie es verdünnt wird,

wie es angeboten wird

und wie das Tier darauf reagiert.

Gerade in der Verbindung mit ayurvedischem Denken – also mit dem Blick auf die individuelle Konstitution – entsteht eine besonders feine Form der Aromaarbeit.

Aromatherapie bedeutet für mich nicht, möglichst viel anzuwenden, sondern bewusst und achtsam zu arbeiten.

Wenn ein Duft zum Angebot wird und nicht zur Maßnahme genradiert wird, kann er sein vielfältiges Potenzial entfalten.


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Quellenangaben:

  • https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40883157/
  • 7. Februar ist Tag der Rose
  • Zimmermann, Eliane (2018) / Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe / 6. Auflage / Haug-Verlag Stuttgart
  • Andrea Zoller und Hellmuth Nordwig / Heilpflanzen der Ayurvedischen Medizin / 4. Auflage / Narayana Verlag 
  • Theresa Rosenberg / Seminarunterlagen zum Ayurveda-Tiertherapeuten 
  • Sabrina Herber / Aromatherapie in der häuslichen Pflege / 1. Auflage 2017 / Joy Verlag
     

Claudia Selic-Köhler

Claudia Selic-Köhler ist Tierheilpraktikerin sowie Ayurveda-Tiertherapeutin und Aromatherapeutin für Hunde und Pferde. Zusätzlich arbeitet sie als Ernährungsberaterin mit Schwerpunkt Hund. Sie ist mobil in Rheinberg, Kreis Wesel und am Niederrhein unterwegs.

In ihrer Arbeit verbindet sie naturheilkundliche Verfahren mit dem Wissen des Ayurveda, moderner Ernährungslehre und langjähriger praktischer Erfahrung. Ihr Schwerpunkt liegt auf chronischen Beschwerden, insbesondere im Bereich Verdauung, Stoffwechsel, Haut und stressbedingten Belastungen.

Sie arbeitet nicht symptomorientiert, sondern betrachtet Gesundheit als Zusammenspiel von Konstitution, Stoffwechsel, Nervensystem und Lebensumständen. Daraus entstehen individuelle Empfehlungen, die tragfähig sind und zum Tier passen – nicht umgekehrt.

Claudia begleitet Tierhalter:innen überwiegend in Einzelsitzungen und legt großen Wert darauf, Zusammenhänge verständlich und nachvollziehbar zu erklären. Ihre Arbeit ist geprägt von Sorgfalt, fachlicher Tiefe und einer respektvollen Haltung gegenüber Tier und Mensch.

Auf ihrem Blog teilt sie Fachwissen, Erfahrungen aus der Praxis und Gedanken zu Ayurveda, Ernährung, Aromatherapie und ganzheitlicher Tiergesundheit.

https://www.ayurveda-und-tiernaturheilkunde.de
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