Mein Motto für 2026: Die Entdeckung der Langsamkeit

Langsamer zu gehen, bedeutet nicht zwangsläufig, später anzukommen.
— Verena König

Während ich diese Zeilen schreibe, tanzen draußen dicke Schneeflocken und lassen sich, langsam vom Wind getragen, zu Boden fallen. Vor mir steht eine Tasse Tee, deren Dampf duftend nach oben steigt. Mein angefangener Blogartikel zum Thema “Ayurveda trifft Aromatherapie” muss warten, weil diese Gedanken zuerst aufs Papier, oder aus dem Kopf, wollen.

Anfang Dezember 2025 hat mein Körper die Notbremse gezogen. In meinem Jahresrückblick 2025 kannst du mehr darüber lesen. Mein Kopf wollte davon jedoch noch nichts wissen. Er plante weiter, dachte nach vorn, suchte krampfhaft nach Lösungen – so, als ließe sich eine Auszeit verhandeln 😉.

Mein Körper aber sprach eine ganz andere Sprache. Keine Diskussion!
Schwindel. Schwere, schmerzhafte Beine. Kraftlosigkeit. Innere Leere.
Er sprach sehr deutlich und unmissverständlich.

Und ich wusste: Ich hatte zu lange nicht zugehört. Zu stark wirkten alte Muster, die mich einmal schützen sollten und mir heute die Luft zum Atmen nahmen. Muster von Funktionieren, Durchhalten, Weitergehen – auch dann, wenn es längst zu viel geworden ist.

Mein Körper setzte die Grenze, die ich selbst nicht setzen konnte. Er verlangte nach Fürsorge, nach Ernstnehmen, nach Wohlwollen. Und vor allem nach einem: Zeit zum Heilen. Eigentlich genau das, was ich meinen Kund:innen auch immer sage – nur bei mir konnte ich es zunächst nicht annehmen.

In diesen Tagen wurde mir klar, wie tief ich im Schnell-Sein gefangen war. Wie sehr ich gelernt hatte, erst fertig werden zu müssen, bevor ich mir erlaubte, zur Ruhe zu kommen. Und auch, wie hoch der Preis dafür ist.

Die “Entdeckung der Langsamkeit” war für mich ein Wendepunkt. Ab hier begann mein Nervensystem, sich zu beruhigen. Der Alarmknopf meines Körpers sprang zumindest von Rot auf Gelb 😉. Und mit ihm gab mein Kopf langsam auf, weiter zu rennen. Was für eine Wohltat.

Mein Motto für 2026 heißt deshalb:
Die Entdeckung der Langsamkeit.


Inhaltsverzeichnis:

  • Die Entdeckung der Langsamkeit - mitten im Prozess 
  • Wo sich Langsamkeit konkret zeigt 
  • Weniger müssen - mehr bei mir bleiben 
  • Wenn das Tempo wegfällt, entsteht Raum 
  • Langsamkeit aus ayurvedischer Sich - und aus meiner ☺️
  • Zum Abschluss - Langsamkeit darf mich tragen 

Die Entdeckung der Langsamkeit - ein Prozess

Langsamkeit war für mich nichts, das ich mir einfach vornehmen konnte. Vielmehr war – und ist – sie ein Prozess, der sich oft in Wellen gezeigt hat. Immer dann, wenn ich wieder zu viel auf einmal wollte, kamen die Symptome zurück, und ich durfte mich fragen, wo ich erneut zu schnell unterwegs war. Aber auch, wo ich zu viel von mir verlangte, wo meine “innere Frau Rottenmeier” mit am Tisch saß und alles andere als freundlich mit mir umging.

Übrigens habe ich Frau Rottenmeier vor dem Schreiben dieses Blogartikels vor die Tür gesetzt 😉. Die hatte nämlich schon wieder einige Nettigkeiten auf Lager.

Meist war es mein Kopf, der wieder vor Ideen sprudelte, sobald es mir ein wenig besser ging, und mich sofort ins Tun drängte. Dieses unschöne Gefühl von innerem Druck, von Getriebensein, als säße mir der Tiger wieder im Nacken. Ihn loszulassen und immer wieder bewusst auf meinen Körper zu hören, war nicht leicht, aber es gelingt mir immer besser.

Auch jetzt, wo ich vorsichtig wieder anfange zu arbeiten, waren die ersten Tage eher holprig. Und das überrascht mich nicht. Damit hatte ich gerechnet. Ich lerne langsam, wieder hinzuspüren – gerne schreibend, um die rasenden Gedanken aus dem Kopf aufs Papier zu bringen und ihnen damit ein Stück ihrer Macht zu nehmen. Nicht alles muss sofort klar sein, nicht alles sofort fertig und schon gar nicht perfekt 😉. Auch das ist einer meiner alten Trugschlüsse.

Solche Gedanken, neuen Ideen, Erfahrungen und auch Rezepturen teile ich in meinem Newsletter. In einem eher langsamen Rhythmus 😉, ein- bis zweimal im Monat. Wenn du magst, kannst du dich hier dafür anmelden.

Auch der Winter hat mir dabei geholfen. Die Kälte, der Schnee der letzten Tage. Langsamkeit zeigt sich auch hier: Der Schnee zwingt uns, achtsamer zu gehen, sonst rutschen wir aus. Alles wird weicher, eingehüllt wie in Watte, leiser. Abends, bevor ich schlafen gehe, setze ich mich jetzt für ein paar Minuten ans offene Fenster, statt noch einmal Nachrichten auf dem Handy zu checken.

Und ich merke: Auch Blogartikel dürfen unfertig liegen bleiben, bis sie wieder dran sind.

Gerade darin entsteht eine neue Qualität beim Schreiben. Auch dieser Artikel wird gerade zum dritten Mal von mir überarbeitet ☺️. Dabei halte ich mich an eine Empfehlung der Autorin Alexandra Polunin, deren Schreibcircle ich 2024 besuchen durfte: Lasst eure Artikel liegen. Gebt ihnen Zeit.

Und so freue ich mich auf den Artikel „Ayurveda trifft Aromatherapie“ schon besonders. Die Einleitung ist bereits fertig. Der Rest darf reifen.

Wo sich Langsamkeit konkret zeigt

Langsamkeit zeigt sich für mich jedoch nicht nur im Inneren, sondern auch ganz praktisch im Alltag und in meiner Arbeit. Ein wichtiger Schritt war, meine Kommunikationsstruktur neu zu ordnen. Gerade habe ich die Info-Mail dazu mit klopfendem Herzen an meine Kund:innen rausgeschickt. Ein großer Schritt für mich.

Ich habe mich seit Anfang Januar 2026 in meiner Praxis bewusst gegen WhatsApp entschieden. Stattdessen kommuniziere ich jetzt über E-Mail, Telefon oder in persönlichen Terminen vor Ort. Aus Fürsorge – mir selbst und auch den Menschen gegenüber, die mich kontaktieren.

Schnelle Nachrichten erzeugen bei mir ein permanentes Reagieren-Müssen. Sie lassen kaum Raum, um nachzuspüren, Dinge einzuordnen oder Zusammenhänge wirklich zu verstehen. Für meine Arbeit ist dieser Raum jedoch essenziell. Ich arbeite nicht symptomorientiert und suche selten nach schnellen Lösungen. Mich interessiert immer das Warum. Was hält eine Erkrankung oder Beschwerde aufrecht? Was könnte darunter liegen? Welche Zusammenhänge zeigen sich erst, wenn man genauer hinschaut?

Dafür brauche ich Zeit zum Nachdenken. Zeit, um Informationen sacken zu lassen, Muster zu erkennen und das Ganze in einen größeren Zusammenhang einzuordnen. Antworten, die unter Zeitdruck entstehen, werden diesem Anspruch nicht gerecht – weder mir noch den Tieren und Menschen, die ich begleite.

Diese Haltung begleitet mich schon lange. Bereits in meiner Zeit als Kinderkrankenschwester haben mich Notfälle auf der Station sehr mitgenommen. Mein Kopf und mein Nervensystem waren für diese schnellen Entscheidungen nicht gemacht. Ich brauchte Zeit für meine kleinen Patient:innen und für ihre besorgten Eltern. Mehrfach habe ich Anfragen für die Intensivstation abgelehnt, weil ich gespürt habe, dass ich diesen Raum von Nähe, Zuwendung und Ruhe brauche – und geben möchte.

Langsamere Kommunikationswege verändern deshalb etwas Wesentliches. Sie schenken mir Zeit zum Formulieren, zum Nachdenken und zum bewussten Antworten.

Langsamkeit bedeutet für mich hier nicht weniger Präsenz. Im Gegenteil. Sie ermöglicht mir, wirklich da zu sein. Mit Achtsamkeit, mit Ruhe und mit einem klaren inneren Ja zu dem, was gerade dran ist.

Weniger müssen - mehr bei mir bleiben

Im Zuge dieser Entdeckung habe ich begonnen, mich von vielem zu lösen, das mich mehr unter Druck gesetzt, als unterstützt hat. Ich habe ausgemistet. Newsletter abbestellt, die mich eher gestresst haben, als mir wirklich etwas mitzugeben. Inhalte, die meinen Fokus zerstreut oder mich ständig ins Vergleichen gebracht haben. Podcasts, die immer wieder davon sprachen, dass wir alles erreichen können, wenn wir nur genug wollen, uns ausreichend anstrengen und das richtige Mindset haben.

Je ruhiger ich wurde, desto deutlicher habe ich gemerkt, wie einseitig und meist völlig unreflektiert viele dieser Botschaften sind. Sie lassen oft außer Acht, dass wir alle mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen durchs Leben gehen. Mit unterschiedlichen Erfahrungen, Prägungen, Belastungen und Ressourcen. Nicht jede:r startet vom gleichen Punkt. Und nicht alles lässt sich durch Willenskraft oder „richtiges Denken“ lösen. Ich betrachte daher die psycho-spirituelle Szene schon seit längerem sehr kritisch.

Die Langsamkeit hat mir geholfen, noch einmal genauer hinzuschauen und zu unterscheiden, was mich wirklich nährt und was mich subtil immer wieder antreibt, weiter über meine eigenen Grenzen zu gehen.

Langsamkeit hat für mich auch viel mit Einfachheit zu tun. Mit weniger Input. Weniger Reizen. Weniger Müssen. Und mit der Erkenntnis, dass weniger oft mehr ist.

Wenn das Tempo wegfällt, entsteht Raum

Als das Tempo wegfiel, veränderte sich für mich etwas Grundlegendes. Nicht sofort und auch nicht spektakulär, aber nach und nach deutlich spürbar.

Mit weniger Geschwindigkeit entsteht Raum.

Raum, Dinge wahrzunehmen, die im schnellen Vorbeigehen kaum Beachtung finden. Körperliche Signale. Gedanken, die plötzlich nicht mehr vom Anspruch auf Leistung getrieben sind. Stimmungen, für die vorher kein Platz war.

Ich merke, wie sich meine Wahrnehmung verändert, wenn ich mir erlaube, langsamer zu werden. Wie feiner sie wird. Wie differenzierter. Dinge, die früher untergingen, bekommen plötzlich Gewicht: feine Körpersignale wie Müdigkeit oder Durst, der Wunsch nach Pause, nach Wärme, nach Rückzug.

Gedanken, die nicht sofort in Handlung drängen, sondern erst einmal da sein dürfen. Innere Anspannung, Ungeduld, aber auch etwas Neues – Wohlwollen und ein friedlicheres Gefühl mir selbst gegenüber. Endlich bekommen all diese Regungen ihren Platz und dürfen sich zeigen.

Mir hat dieses Zitat geholfen - leider weiß ich nicht mehr, wo ich es gelesen habe:
Die Schnecke sieht auf ihrem Weg mehr als der Hase” 😉.
Nicht, weil sie klüger wäre, sondern weil sie – gezwungenermaßen – mehr Zeit auf ihrem Weg hat.

Langsamkeit nimmt dem Leben nicht die Bewegung.
Sie verändert nur das Tempo, in dem wir ihm begegnen.

Und genau hier beginnt für mich ein tieferes Verstehen. Denn vieles lässt sich nicht erkennen, solange wir hindurchhetzen. Manche Antworten zeigen sich erst dann, wenn wir aufhören zu rennen. Wenn wir aushalten, nicht sofort weiterzumachen. Wenn wir endlich einmal stehen bleiben und einfach mit dem sind, was gerade ist, ohne es sofort verändern zu wollen.

Dieser Raum ist für mich kein leerer Raum.

Er ist voller Lebendigkeit.

Langsamkeit aus ayurvedischer Sicht - und aus meiner ☺️

Aus ayurvedischer Sicht habe ich schnell verstanden, warum mich Geschwindigkeit so leicht aus dem Gleichgewicht bringt. Ich bin eine ausgeprägte Vata-Pitta-Konstitution – jemand, der Bewegung, schnelles Denken, Ideen und inneres Umsetzungsfeuer in sich trägt. Das fühlt sich oft lebendig an. Kreativ und Wach.

Aber es hat auch eine Kehrseite.

Vata liebt Tempo. Gedanken springen hin und her, Impulse ploppen auf und verschwinden genauso schnell wieder, neue Ideen drängen nach Umsetzung. Einen Vata-Geist zu beschreiben ist gar nicht so leicht – es ist wie ein verzerrtes Bild von Autolichtern bei Nacht, die überall rote Streifen auf der Leinwand hinterlassen. Alle bewegen sich, alle sind unterwegs, und jede Spur verfolgt ein anderes Ziel 😉.

Wenn dann noch Pitta dazukommt, wird aus dieser Bewegung schnell Druck. Der Wunsch, voranzukommen, Dinge richtig zu machen, etwas zu schaffen – gerne auch mit einer Prise Perfektionismus. Was eben noch lebendig war, kippt dann oft unbemerkt in Getriebenheit. Und dieses unbemerkt ist mir wichtig, denn vor lauter Begeisterung habe ich lange gar nicht wahrgenommen, dass ich schon wieder zu schnell unterwegs war.

Im Ayurveda geht es dabei immer auch um Verdauung. Und Verdauung meint hier nicht nur Nahrung. Auch Gedanken, Reize, Gespräche, Eindrücke und Emotionen wollen verdaut werden. Wenn alles zu schnell aufeinander folgt, bleibt dafür keine Zeit. Eindrücke stauen sich sprichwörtlich, Gedanken werden nicht mehr zu Ende gedacht, Erlebnisse nicht integriert. Am Ende hält man hundert lose Fadenenden in der Hand – und ist zutiefst unzufrieden.

Für einen Vata-Pitta-Menschen bedeutet das schnell Überforderung. Der Kopf ist voll, der Körper müde, das Nervensystem dauerhaft angespannt.

Und das gilt im Übrigen ganz genauso für unsere Tiere.

Langsamkeit ist für mich deshalb kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Sie gibt mir die Zeit, Dinge wirklich ankommen zu lassen. Sie ermöglicht Verdauung – im Körper, im Kopf und im Erleben. Erst wenn das Tempo sinkt, kann sich sortieren, was vorher nur durchrauschte, wie ein reißender Bach, der durch ein friedliches Tal rauscht.

Zum Abschluss - Langsamkeit darf mich tragen

In diesem Jahr begleitet mich zudem der Rosenwurz. Eine Pflanze, die ich aus meinem wunderschönen Herbal-Astrology Orakel-Deck gezogen habe. Sie steht für einen anderen, tragfähigeren Umgang mit Belastung. Als widerstandsfähige Hochgebirgspflanze wächst sie auf feuchten Böden der Fjellregionen, bis hinauf in die obere alpine Zone.

Immer wieder zeigt sich für mich, dass die Umgebung, in der eine Pflanze wächst, Hinweise auf ihre Anwendungs-Qualitäten gibt. Auch hier. Der Rosenwurz trotzt rauen Bedingungen, ohne sich zu verausgaben. Für dieses Jahr ist er für mich deshalb ein sehr stimmiges Bild.

Auch Düfte begleiten mich in diesem Prozess. Eichenmoos, Benzoe und verschiedene Zitrusdüfte haben sich für mich aktuell als stimmig erwiesen. Eichenmoos wirkt erdend, Benzoe freundlich umhüllend, fast wie ein schützender Mantel. Die Zitrusdüfte bringen Leichtigkeit und heben die Stimmung.

2026 muss kein spektakuläres Jahr sein. Kein weiteres Antreiben, kein Sammeln von noch mehr Wissen, keine überzogenen Vorsätze, die spätestens Ende Januar über den Haufen geworfen werden. Keine großartigen Ziele, die das ein oder andere Mal einfach und ungefragt vom Leben durchkreuzt werden. Es darf ein Jahr sein, in dem Dinge Zeit haben. In dem Gedanken, Erfahrungen und all das, was ich lernen durfte, überhaupt erst verdaut werden können.

Mein Motto für dieses Jahr bleibt:
Die Entdeckung der Langsamkeit.

Wenn du magst, erzähl mir gerne in den Kommentaren, wo sich für sich Langsamkeit in deinem Leben zeigen darf .


Quellen- Bildnachweis:

Beschreibung Rosenwurz - Bühring, Ursel: Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde. Grundlagen – Anwendung – Therapie.
4. überarbeitete Auflage. Haug Verlag, Seite 614.
Alle Bilder stammen entweder aus eigener Hand oder wurden liebevoll aus der lizensierten Canva-Pro Mediathek ausgewählt 
Weiter
Weiter

Mein Jahresrückblick 2025: Vom Schnellsein, Hinfallen und wieder Aufstehen