Hund & Pferd im Sommer: Verdauung, Haut und Wohlbefinden in der ayurvedischen Pitta-Zeit
Die einen lieben den Sommer und damit auch sehr warme Temperaturen – andere ertragen ihn eher. Das gilt für uns Menschen ebenso wie für Hunde und Pferde.
Ich musste dabei neulich an meine beiden Kinder denken, als sie noch sehr klein waren. Mein Sohn hatte als Baby immer kalte Füßchen, also habe ich ihm, trotz sommerlicher Temperaturen, wohlig warme Wollsocken angezogen – für ihn war das vollkommen in Ordnung. Als meine Tochter im gleichen Alter war, habe ich das genauso gemacht, warum auch nicht, es hatte ja funktioniert. Nur dass sie die Socken jedes Mal wieder ausgezogen hat. Ich habe sie wieder angezogen, sie hat sie wieder ausgezogen, bis ich irgendwann mal nachgefühlt habe: wohlig warme kleine Füßchen. Dieses Kind brauchte einfach keine Socken 😉.
Heute ist meine Tochter diejenige, der der Sommer grundsätzlich zu viel ist – vor allem viel zu warm. Wenn ich noch friere, trägt sie schon Spaghettiträger-Shirts. Und mein Sohn? Der freut sich schon im Januar wie Bolle darauf, wenn es endlich wieder wärmer wird.
Bei Hunden und Pferden ist das genauso. Der eine Hund legt sich in die pralle Mittagssonne und döst zufrieden vor sich hin, während der andere schon beim ersten Sonnenstrahl den Schatten sucht und tunlichst jede Bewegung vermeidet. Das eine Pferd blüht im Sommer regelrecht auf, das andere wird vielleicht unruhiger, frisst schlechter oder scheuert sich an allem, was nicht niet- und nagelfest ist.
Hund und Pferd im Sommer – das sieht bei jedem Tier anders aus, und das hat einen Grund.
In diesem Artikel geht es um genau diese Zusammenhänge: was Sommerhitze im Körper von Hund und Pferd auslöst, warum die Verdauung in der heißen Jahreszeit sensibler werden kann, was Haut und Darm miteinander zu tun haben – und warum manche Tiere den Sommer deutlich schwerer ertragen als andere.
Pferde im Sommer: Für manche ist es die schönste Zeit des Jahres, für andere eine echte Belastung.
Pitta-Zeit: Wie sich Sommerhitze auf Hund und Pferd auswirkt
Am 21. Juni findet die Sommersonnenwende statt – die in meinem Lieblingsland Schweden gebührend gefeiert wird. Es ist der längste Tag des Jahres und zugleich die kürzeste Nacht - der Beginn der Sommersaison. Eine Zeit der heißen Tage und lauen Nächte, in der das Leben nach draußen verlagert wird – wir grillen, treffen Freunde, sitzen gemütlich im Garten und versuchen, uns nicht von nervigen Mücken fressen zu lassen 😉.
Im Ayurveda ist es die Jahreszeit des Pitta-Doshas. Pitta steht für das Feuer- und Transformationsprinzip – und im Sommer ist genau das überall spürbar. Die Natur zeigt sich von ihrer üppigsten Seite, wir profitieren von süßen Sommerfrüchten und saftigem Gemüse.
Was aber passiert in diesem Körper – und in dem von Hunden und Pferden – wenn es draußen so richtig warm wird?
Kurz erklärt: Im Sommer steigt mit der Hitze das Pitta-Dosha im Körper an, während das Verdauungsfeuer Agni schwächer wird. Der Grund ist die Wärmeregulation: Um die warmen Außentemperaturen zu regulieren, leitet der Körper mehr Blut in Richtung Haut und Atemwege. Im Verdauungstrakt selbst kommt dann weniger an, und die Verdauung arbeitet langsamer. Bei Hund und Pferd kann sich das in Form von weichen Kotabsätzen, Hautbeschwerden oder gar einem hitzigen Gemüt zeigen.
Wenn du tiefer in das Thema Thermoregulation bei Hunden und Pferden einsteigen möchtest, findest du hier, wie ich finde, zwei sehr interessante Artikel dazu:
Kang, H. et al. (2023): Heat stress in horses: a literature review. International Journal of Biometeorology 67(6), 957–973. → zur Thermoregulation und Hitzebelastung beim Pferd (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10267279/)
Bruchim, Y. et al. (2017): Pathophysiology of heatstroke in dogs – revisited. Temperature 4(4) → zur hitzebedingten Umverteilung der Durchblutung vom Magen-Darm-Trakt zur Haut beim Hund (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5800390/)
Pferd und Hund kühlen sich dabei unterschiedlich. Das Pferd schwitzt großflächig über die Haut und verliert dabei Flüssigkeit und Mineralstoffe. Der Hund dagegen hat kaum Schweißdrüsen und reguliert seine Temperatur fast ausschließlich über das Hecheln. So verschieden die beiden Wege sind, eines haben sie gemeinsam: Bei hohen Außentemperaturen wandert vermehrt Blut in die Peripherie, also nach außen Richtung Haut, und dem Verdauungstrakt steht am Ende weniger zur Verfügung als in den kühleren Monaten.
Dass ein Pferd – und so mancher Hund – im Hochsommer etwas weniger oder mäkeliger frisst, ist dann zunächst kein Grund zur Sorge. Auf gewisse Weise sorgen die Tiere damit für sich selbst, denn eine angestrengte Verdauung würde den gesamten Organismus zusätzlich belasten. Wir kennen das von uns selbst: An einem heißen Julitag will kaum jemand Rotkohl mit schwerem Schweinebraten, sondern wir greifen lieber zu frischem Gemüse wie Gurke und Zucchini oder zu saftigen Früchten wie Pfirsich und Wassermelone.
Ob und wie stark ein Tier den Sommer zu spüren bekommt, hängt allerdings auch davon ab, wer es von Natur aus ist. Ein Vata-Tier, das von Kälte und Trockenheit geprägt ist, kann die Wärme geradezu genießen – während ein Pitta-betontes Tier, das ohnehin schon viel Feuer mitbringt, im Hochsommer schneller an seine Grenzen kommt.
Verdauung im Sommer: Kolikneigung, weicher Kotabsatz oder Magenprobleme
Im Ayurveda nennen wir die Verdauungskraft Agni. Sie entscheidet darüber, wie gut ein Tier seine Nahrung aufschließt, verwertet und für sich nutzen kann. Ist Agni kräftig, wird auch mal etwas schwer Verdauliches gut vertragen. Ist es eher schwach, z.B. weil der Körper gerade mit hohen Außentemperaturen beschäftigt ist, kann ein Teil des Futterbreis im Darm unverdaut liegen bleiben. So können sogenannte Stoffwechselrückstände entstehen, die der Ayurveda Ama nennt – dies insbesondere dann, wenn ohnehin schon Verdauungsprobleme vorhanden sind.
Beim Pferd…
…kann sich das geschwächte Verdauungsfeuer im Sommer auf zwei unterschiedliche Weisen zeigen.
Arbeitet das Verdauungssystem im Sommer ohnehin schon etwas langsamer und verliert das Pferd durch starkes Schwitzen zusätzlich noch Flüssigkeit, kann der Darminhalt “eindicken”. In Verbindung mit vielleicht sehr trockenem Sommergras oder zu viel schwerem Kraftfutter in einem ohnehin schon trägen Darm, kann das das Risiko für eine Verstopfungskolik oder Anschoppungskolik erhöhen.
University of Florida IFAS Extension: Colic in Horses (VM139) – zum erhöhten Risiko einer Verstopfungskolik bei Dehydrierung durch Hitze und reduzierte Wasseraufnahme (https://ask.ifas.ufl.edu/publication/VM139)
Auf der anderen Seite kann im Sommer auch das Gegenteil auftreten: Kotwasser oder weicher Kot. Hier spielt oft Stress eine Rolle – der Dauerdruck durch Bremsen und andere Plagegeister, die ständig Unruhe verursachen, dazu die Wärme, die dem Organismus zusätzlich zu schaffen macht. Und Stress kann, wie ich in meinem Artikel zum Thema Darm im Stress ausführlicher beschrieben habe, die Verdauung ganz schön durcheinanderbringen.
Davon zu unterscheiden ist akuter Durchfall bei starker Überhitzung. Das ist kein funktionelles Sommerthema mehr, sondern kann ein Warnzeichen sein – hier gehört das Pferd zeitnah in tierärztliche Hände.
Ein ständiger Zugang zu frischem Wasser und ein fachlich abgestimmter Ausgleich der über den Schweiß verlorenen Mineralstoffe sind im Sommer wichtig. Aber Vorsicht: Bitte nicht wahllos Elektrolyte oder Mineralfutter zufüttern. Ein Zuviel an Zusätzen belastet die Entgiftungsorgane wie Niere und Leber, und gerade bei den im Körper eng “kontrollierten” Spurenelementen kann sich das schnell zu einer Überdosierung summieren. Worauf du bei Futterergänzungen und Mineralfuttern achten solltest, habe ich in meinem Artikel über Nahrungsergänzungsmittel ausführlich aufgeschrieben.
Wenn du dir unsicher bist, macht es Sinn, die Ration einmal genau berechnen zu lassen – schick mir dazu einfach eine Anfrage über das Kontaktformular.
Ein Praxistipp am Rande: Sei im Sommer besonders achtsam mit Heulage. Durch den Gärprozess enthält sie von Natur aus mehr Säure, und Säure gehört zu den Qualitäten, die das Pitta-Dosha zusätzlich erhöhen – also genau das, wovon ein erhitztes Pferd jetzt eher weniger braucht, vor allem dann, wenn es in seiner Konstitution ohnehin schon viel Pitta besitzt.
Beim Hund…
…beim Hund kann sich ein geschwächtes Agni im Sommer sowohl als Magenreizung als auch durch Verdauungsbeschwerden im Darm zeigen. In meiner Praxis sehe ich in der warmen Jahreszeit häufiger schleimige Stühle oder weicheren Kotabsatz – oder Hunde, die morgens vor ihrem vollen Napf einfach wieder kehrtmachen und ihre Ration lieber am Abend fressen, wenn die Temperaturen sich wieder abgekühlt haben. Das ist kein Zufall, sondern ein klug eingerichtetes Selbstmanagement, auch wenn es uns als Besitzer schon mal die ein oder andere Sorgenfalte ins Gesicht zaubert 😉.
Hinzu kommt im Sommer die, ich nenne es einfach mal, “Keim-Falle”: Besonders wenn Futter über den Tag im Napf liegen bleibt, roh gefüttert wird oder eingeweichtes Trockenfutter stehen bleibt, vermehren sich Bakterien bei warmen Temperaturen sehr schnell. Aber nicht nur dort – auch aus abgestandenen Pfützen oder stillen Seen, aus denen Hunde gerne den ein oder anderen Schluck nehmen, können Keime aufgenommen werden, die den Magen-Darm-Trakt reizen können.
Was jetzt hilft, ist eine konsequente Entlastung. Biete deinem Hund leichte, gut verdauliche Kost an und verzichte auf stark bindegewebige Anteile wie Pansen, Blättermagen oder sehnendurchzogenes Fleisch – diese brauchen viel Verdauungsarbeit. Achte darauf, dass Futterreste nicht in der Wärme stehen bleiben. Schwere, erhitzende Fleischsorten wie Rind kannst du im Sommer reduzieren und stattdessen auf leichter verdauliche, hochwertige Proteine wie Geflügel oder Ziege setzen – sie sind im Ayurveda dem Pitta-Sommer besser angepasst. Wenn wir das Agni jetzt entlasten, beugen wir vor, dass der Darm auf Dauer überlastet wird.
Sommerekzem und Hot Spots: Wie Haut und Darm zusammenhängen
Dass Haut und Darm zusammenhängen, haben viele mit Sicherheit schon gehört - klingt für manche jedoch zunächst überraschend – schließlich liegt das eine außen und das andere tief im Körper verborgen.
Wirft man aber einen Blick auf die früheste Entwicklung im Mutterleib, wird die Verbindung greifbarer. Ganz am Anfang ist der Embryo eine “winzige Hohlkugel”, deren Wand nichts anderes ist als eine Oberfläche. An einer Stelle stülpt sich diese Wand im Laufe der Entwicklung nach innen ein, faltet sich gewissermaßen in sich hinein – und aus genau dieser eingestülpten Oberfläche wird später der Verdauungstrakt. Der Darm ist also, etwas bildhaft gesprochen, eine nach innen gewendete Haut. Beide sind Grenzflächen zur Außenwelt: die Haut nach außen gerichtet, der Darm nach innen gefaltet. Und beide haben dieselbe Aufgabe – sie entscheiden, was hereindarf und was draußen bleibt.
Das erklärt auch, warum ein großer Teil des Immunsystems im Darm sitzt. Funktioniert die Abgrenzung im Darm nicht mehr richtig, weil das Verdauungsfeuer geschwächt ist und mehr Unverdautes anfällt, gerät auch die zweite große Grenzfläche, nämlich die Haut, unter Druck. Was der Darm nicht sauber zu Ende bringt, zeigt sich dann gerne über die Haut.
Im Ayurveda lässt sich das über das Blutgewebe nachzeichnen, wir nennen es Rakta Dhatu. Es kann auf zwei Wegen belastet werden. Zum einen über ein schwaches Agni: Bleibt Unverdautes liegen, entsteht Ama, das ins Blut wandern und Rakta „verunreinigen" kann. Zum anderen ganz unmittelbar durch die Pitta-Qualitäten selbst – heiße, scharfe, salzige und saure Nahrung, sowie Hitze von außen belasten das Blutgewebe direkt. Im Hochsommer kommt oft beides zusammen.
Beim Hund…
…kann sich das in den typischen sommerlichen Hot Spots zeigen, in geröteten Pfoten, die unaufhörlich geleckt werden, oder in juckenden Hautstellen im feucht-warmen Fellklima. Gerade Hunde, die im Sommer gern in Seen und Tümpeln planschen und mit einem etwas dichteren Fell gesegnet sind, trifft es dabei besonders häufig.
Beim Pferd…
…begegnet uns im Sommer ein Thema, das vielen Besitzern Sorgen macht: das Sommerekzem. Schulmedizinisch handelt es sich um eine allergische Reaktion auf den Speichel von Kriebelmücken und Gnitzen. Das braucht ohne Frage eine saubere tierärztliche Abklärung und oft auch akuten mechanischen Schutz durch Decken oder Aufstallung zu den Hauptflugzeiten.
Aus ganzheitlicher Sicht – das vertritt unter anderem Dr. Christina Fritz – lohnt sich daneben aber ein Blick auf Stoffwechsel und Darm: Ein überlasteter Stoffwechsel und ein belastetes Blutgewebe können mitbeteiligt sein, wenn die Haut so stark reagiert.
Ayurvedisch gesprochen liefern Pitta und Rakta den Deutungsrahmen, medizinisch bleibt das Sommerekzem eine allergische Hauterkrankung.
Es gibt noch einen zweiten Zusammenhang, der im Sommer eine Rolle spielen kann und den die meisten Ratgeber leicht übersehen.
Bleiben wir noch einmal kurz bei der frühen Entwicklung im Mutterleib, dann fällt etwas Bemerkenswertes auf: Haut und Nervensystem entstehen aus derselben äußeren Zellschicht. Sie sind gewissermaßen Geschwister – und das spürt man ein Leben lang. Was auf die Nerven geht, geht oft auch auf die Haut - die Haut als Spiegel der Seele - Hitze bedeutet für den Körper Stress, und bei Stress steigt das Hormon Cortisol an. Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel kann die natürliche Schutzbarriere der Haut schwächen, sodass sie trockener und durchlässiger wird und somit empfindlicher auf äußere Reize reagiert.
Ein Tier, das im Sommer ohnehin unter dem Druck von Hitze und Insekten steht, verliert so von innen heraus ein Stück seiner wichtigsten Schutzschicht. Wie eng Stress und Hautgesundheit zusammenhängen, habe ich an anderer Stelle ausführlicher beschrieben: Stress bei Hund & Pferd - die Haut als Spiegel der Seele
Genau hier setzt meine naturheilkundliche Begleitung an: Wenn wir im Sommer das Agni stärken, den Darm entlasten und das Blutgewebe über kühlende, ausleitende Unterstützung, auch zum Beispiel in Form von ayurvedischen Massagen - entlasten, nehmen wir der Haut einen Teil der Last. Das ersetzt keine tierärztliche Behandlung bei akuten Schüben, kann sie aber sinnvoll ergänzen.
Hitzestress und Verhalten: Warum Tiere im Sommer reizbarer sein können
Vielleicht hast du es bei dem einen oder anderen Tier im Sommer auch schon beobachtet. Das sonst so tiefenentspannte Pferd mag am Putzplatz kaum noch stillstehen, scharrt ungeduldig mit den Hufen oder schlägt gereizt mit dem Schweif. Der Hund schlägt plötzlich beim kleinsten Geräusch an der Gartenpforte an oder wirkt von jedem entgegenkommenden Artgenossen genervt.
Das ist kein plötzlicher Charakterfehler. Im Ayurveda kennen wir dafür einen Begriff: Rajas. Rajas beschreibt eine der drei Geistesqualitäten und ist geprägt von Unruhe, Aktionismus und hitziger Mentalität. Diese vielleicht schon zuvor vorhandenen Qualitäten, können im Sommer durch die äußere Hitze zusätzlich angefacht werden. Wenn es unter dem Fell sprichwörtlich “brennt” und die Fliegen nicht aufhören zu nerven, liegen die Nerven eben blank.
Besonders Pitta-betonte Tiere spüren dies deutlich – bei ihnen ist das innere Feuer von Natur aus stärker, und der Sommer facht es weiter an.
Die wichtigste Maßnahme ist dabei so unspektakulär wie wirkungsvoll: Schenke deinem Tier Struktur und Ruhe. Verlege Spaziergänge und Training in die kühlen Morgen- oder späten Abendstunden. Sorge für echte Rückzugsorte im tiefen Schatten oder im kühlen Stall.
Auch wenn sich das so einfach und logisch anhört – ich selbst sehe in renommierten Ställen Pferde auf Weiden, die sich zu fünft unter einen einzigen, ein wenig Schatten spendenden, Baum quetschen, der noch nicht einmal auf ihrer Weide, sondern auf dem angrenzenden Weg steht. Die Pferde schlagen unaufhörlich mit dem Schweif und den Köpfen, und man sieht ihnen den Stress förmlich im Gesicht an.
Wenn wir den Alltag entlasten und zusätzliche, vielleicht auch unnötige Reize reduzieren, helfen wir dem Nervensystem, wieder herunterzufahren.
Aromatherapie bei Hitze: Sanfte Kühlung durch Hydrolate
Wenn die Nerven blank liegen und die Haut gereizt ist, kann die Aromatherapie eine sanfte Stütze sein. Gerade im Sommer gilt aber: weniger ist mehr. Ätherische Öle können bei Hitze zu intensiv für die feinen Tiernasen sein und manch eines kann auf empfindlicher Haut sogar photosensibilisierend wirken, die Haut also noch sonnenempfindlicher machen.
Meine Empfehlung für den Sommer sind daher Hydrolate, also Pflanzenwässer. Sie entstehen bei der Destillation, tragen die sanften Wirkstoffe der Pflanze in sich und werden als angenehm kühlend empfunden, ohne die Schleimhäute zu reizen.
Pfefferminzhydrolat wird auf der Haut als angenehm kühl wahrgenommen. Sanft auf die Beine des Pferdes oder des Hundes gesprüht, kann es an heißen Tagen für ein erfrischendes Gefühl sorgen. (Bitte niemals reines ätherisches Pfefferminzöl großflächig anwenden. Auch wenn es der ein oder andere im Netz so verbreitet.
Lavendelhydrolat (Lavandula angustifolia) wirkt beruhigend auf gereizte Haut und kann gleichzeitig das unruhige Rajas im Geist senken – schön für gestresste Hunde und kribbelige Pferde.
Rosenhydrolat (Rosa damascena) ist das klassische Hydrolat für alle drei Doshas: kühlend, sanft und gleichzeitig ausgleichend auf ein erhitztes Gemüt. Es beruhigt gereizte Haut, unterstützt die Regulation von Rajas und ist sanft genug, um auch im Augenbereich angewendet zu werden – etwa bei Pferden oder Hunden mit sommerbedingten Augenreizungen, die man vorsichtig damit betupfen kann. Ein Hydrolat, das im Sommer wirklich vielseitig einsetzbar ist.
Aromatherapie bei Tieren ist aber immer eine Einzelfallentscheidung. Welche Essenz wirklich zur Konstitution deines Tieres passt, schaue ich mir am liebsten individuell an. Wichtig ist die goldene Regel: Dein Tier muss dem Duft immer ausweichen können. Die Tiernase entscheidet, was guttut.
Hier erfährst du mehr zum Thema Ätherische Öle für Hunde & Pferde – Aromatherapie trifft Ayurveda
Und falls du direkt loslegen willst, findest du passend zum Dosha und Stressmuster deines Tieres ätherische Öle und Hydrolate: Aromatherapie bei Stress und Angst
Was deinem Tier im Sommer guttut – ein Überblick
Auch wenn es banal erscheint 😉:
Schatten & Wasser: immer Zugang zu tiefem Schatten und frischem, idealerweise nicht eiskaltem Wasser
Mineralstoffausgleich: beim Pferd durch das Schwitzen an Salz und Elektrolyte denken – mit Sinn und Verstand dosiert, statt den Körper mit Zusätzen zu überlasten
Tagesrandzeiten nutzen: Bewegung in die kühlen Morgen- und Abendstunden legen
Reizreduktion: eine verlässliche, ruhige Tagesstruktur gibt dem Nervensystem Halt
Pitta-reduzierende Fütterung beim Pferd: als Grundfutter eignet sich Heu sowie trockenes, hoch gewachsenes, älteres Gras. Gärende Futtermittel wie Heulage sollten, wenn möglich, vermieden werden. Ein Pfefferminztee über das Futter gegeben, kann kühlend und entspannend auf die Verdauung wirken.
Pitta-reduzierende Fütterung beim Hund: es eignen sich leicht verdauliche Proteinquellen in guter Qualität wie Geflügel, Ziege oder Wild, dazu erfrischende Gemüsesorten wie Zucchini, Gurke, Fenchel und Kartoffel. Dem Futter darf je nach Größe des Hundes gerne etwas gehackte Pfefferminze zugegeben werden – oder, wie beim Pferd, ein wenig Pfefferminztee.
Achtsamkeit: genau beobachten statt vorschnell handeln – und bei akuten Symptomen wie Kreislaufschwäche, Kolikanzeichen oder schweren Ekzemschüben, sollte selbstverständlich der Tierarzt hinzugezogen werden.
So begleite ich dein Tier durch die Pitta-Zeit
Der Sommer fordert den Organismus von Hund und Pferd auf seine eigene Weise. Wenn wir aufhören, einzelne Symptome wie Juckreiz oder Appetitlosigkeit isoliert zu betrachten, und stattdessen verstehen, wie Hitze, Darm und Nervensystem zusammenspielen, können wir unsere Tiere viel gezielter entlasten.
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Der individuelle Weg: In einer persönlichen Erstkonsultation werfen wir gemeinsam einen Blick auf den aktuellen Zustand deines Tieres, seinen Darm und sein Wohlbefinden und erstellen einen Sommer-Plan, der zu ihm passt.
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Quellen
alle Bilder wurden liebevoll aus der lizensierten Canva-Bibliothek ausgewähltSeminarunterlagen: Ayurveda-Tiertherapeut / Theresa Rosenberg / Rosenberg AkademieDr. Christina Fritz (zur Stoffwechsel- und Darmperspektive beim Sommerekzem)Kang, H. et al. (2023): Heat stress in horses: a literature review. International Journal of Biometeorology 67(6), 957–973. → zur Thermoregulation und Hitzebelastung beim Pferd (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10267279/)Bruchim, Y. et al. (2017): Pathophysiology of heatstroke in dogs – revisited. Temperature 4(4) → zur hitzebedingten Umverteilung der Durchblutung vom Magen-Darm-Trakt zur Haut beim HundDeNotta, S. & House, A.: Colic in Horses. University of Florida IFAS Extension, VM139 → zum erhöhten Risiko einer Verstopfungskolik bei Dehydrierung durch Hitze und reduzierte Wasseraufnahme (https://ask.ifas.ufl.edu/publication/VM139)ClipMyHorse.TV Magazin: Kotwasser & Durchfall bei Pferden – Ursachen, Behandlung und Unterschiede → zum Einfluss von Hitze, Trinkverhalten und Stress auf die Verdauung (https://magazine.clipmyhorse.tv/artikel/durchfall-kotwasser-bei-pferden)Kenhub / DocCheck Flexikon: Keimblätter (Ektoderm/Entoderm) → zum gemeinsamen embryonalen Ursprung von Haut und Nervensystem sowie zur Entstehung des Darms aus eingestülpter OberflächeThieme / Natürlich Medizin: Ayurvedische Behandlung von Ekzemen → zum Zusammenhang von Rakta Dhatu, Pitta und Hauterkrankungen